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Der "Hauptmann von Köpenick" vor dem Aus ?

Köpenick mausert sich zwar zum zweitbeliebtesten Bezirk Berlins – nach Zehlendorf – hat mindestens genauso viel illustre Wasserwege zu bieten wie der nämliche und hat seit über 100 Jahren eine (fast) weltbekannte Figur aufzuweisen: den Hauptmann von Köpenick. Aber irgendwie scheint das die Bezirksverantwortlichen und auch die Gewerbetreibenden nicht zu beeindrucken, denn dem Hauptmann geht es wohl demnächst an den Kragen. Na kein Wunder, denn die Geschichte ist für die Ämter Köpenicks eher peinlich, deshalb wird sie auch nicht richtig gepflegt.
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Zur Erinnerung: Im Jahre 1906 (da war Köpenick noch eine selbständige Stadt) ließ der Schuster Wilhelm Voigt mittels einer beim Trödler erworbenen Hauptmanns-Uniform dort selbst die Stadtkasse mitgehen, was in ganz Deutschland schallendes Gelächter erzeugte und der Anstoß für ein Bühnenstück von Carl Zuckmayer wurde, das wiederum im Laufe der Zeit drei Mal verfilmt worden ist.

Man kann sich nun den Film ansehen (ich empfehlt die letzte Version, mit Harald Juhnke), aber das richtige Leben ist eben analog und nicht digital. Um also Berlin kennenzulernen könnte man auch mal nach Köpenick raus fahren – und nicht nur immer über die Hackeschen Höfe laufen. Direkt vor´m Rathaus, fast am Originalschauplatz, veranstaltet ein kleiner Verein von Ehrenamtlichen jeweils Mittwochs und Samstags um 11 Uhr eine kleine Gratis-Show des Vorfalls, zur Freude von Kindern und Touristen – und wohl zum Ärger des renommierten Ratskellers. Die wollen ihn neuerdings dort nicht mehr spielen lassen, und am Rathauseingang geht´s angeblich auch nicht, weil das Standesamt dort seinen Sitz hat. Ist die Kneipe oder das Standesamt tatsächlich derart überlaufen, dass der 30-Minuten-Sketch alle 3 Tage den Betrieb zum Erliegen bringt ?  Schlimm genug, dass der Verein der Hauptmanns-Gardisten finanzielle und personelle Sorgen hat, wird ihm auch noch der (Bühnen-) Boden unter den Füßen weggezogen.

Ich rufe zu einer Petition auf: Unterstützt die Hauptmanns-Garde, welcher andere Bezirk hat schon so etwas Originelles! (Es gibt ja noch nicht einmal ´ne richtige Wachablösung in Berlin, machen jetzt alles nur noch die Security-Dienste ). Im folgenden eine Bildergalerie:

 

Noch einige Nachträge für die ganz Genauen :

  • Die „Zwickmühle“ mit der Arbeits- und Wohnerlaubnis ist eine dichterische Freiheit von Zuckmayer.
  • Als Voigt den Geldbetrag quittierte zog er seine Handschuhe aus. Den Zunftring der Schusterinnung (für einen richtigen Hauptmann ein Unding !) hatte dann aber nur die Frau des Bürgermeisters erkannt, die ihren Mann zwar warnte, aber kein Gehör fand.
  • Die Kommandos und das Auftreten hatte Voigt im Knast gelernt, weil der Gefängnisdirektor mit den Gefangenen exerzieren übte – auch eine Art von Fortbildung.
  • Die Gardestube ist eine der wenigen über 100jährigen Kneipen Berlins.
  • Den Gardisten können Sie auch ohne Gruppe buchen.

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Uralter Urberliner. Taxifahrer, Eisenbieger, Schneeschipper, Student, Wagenwäscher, Bananenverkäufer, Bauleiter, Ausbilder, Dozent, Hilfsarbeiter, Operator, Systemanalytiker, Autor, Stadtführer, Senior-Experte, Berliner Schnauze, usw. usw. Hab´ich was vergessen ?

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One comment

  1. Ich kann den Ausflug nach Köpenick nur empfehlen!

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