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Startup Hauptstadt Berlin – großer Hype, großer Aufreger?

Früher war Berlin laut, bunt, schmutzig und irgendwie ein kleines bisschen cooler als der Rest der Republik. Mit früher ist dabei vor allem das Westberlin der 70er und 80er Jahre gemeint. Und noch immer ist Berlin laut und bunt und schmutzig und cooler als der Rest des Landes, nur eben irgendwie anders. Nostalgiker mögen jetzt sagen, das Berlin von heute ist überhaupt nicht mehr so wie das Berlin vor 30 Jahren. Und warum auch, schließlich ist Stillstand der Tod einer jeden Gesellschaft und Veränderung lebenswichtig. In den verklärten Fantasien der alternativen 80er Jahre Westberliner gab es mehr illegale Kneipen als WC in den Altbauwohnungen Kreuzbergs. Stets und ständig hoben junge Menschen Kneipen mit dumpfen Namen aus der Traufe, die kurz darauf wieder verschwanden. Das war scheinbar der Gründergeist der Zeit. Man hatte Jobs in Kneipen, wohnte in besetzten Häusern und sträubte sich gegen das Establishment.

Berliner Fabrikhof
Abb. 1 – Berliner Fabrikhof

Inzwischen sieht das doch irgendwie anders aus. Man wohnt bevorzugt in sorgsam sanierten Altbauten (bitte mit Stuck und Dielen, Flügeltüren optional), sehnt sich nach Geborgenheit, Sicherheit und arbeitet in einem Startup. Denn statt Kneipen zu eröffnen, gründen junge ambitionierte Unternehmer lieber kleine Firmen in der Internetbranche. Auch international ist Berlin inzwischen für die große Startupszene bekannt. Die jungen Unternehmen schaffen Arbeitsplätze und auch wenn sie nicht gerade für die beste Bezahlung bekannt sind, so bringen sie doch einiges an Geld in die Stadt, die sich mit dem Slogan arm, aber sexy schmückt. Was die jungen Gründer an die Spree lockt, ist nach eigener Aussage der Lebensstil, die Talente und der Optimismus der Stadt, meinen beispielsweise die Gründer von SoundCloud. In Berlin können Startups an neuen Ideen tüfteln und sich dabei zugleich mit den großen der Branche austauschen. Das gibt es nicht überall und ist einer der wirtschaftlich attraktivsten Faktoren der Stadt

Startups gibt es in Berlin inzwischen unzählige, besonders im ehemaligen Osten der Stadt, aber auch in Kreuzberg tummeln sich viele dieser dynamischen Unternehmen mit jungem, internationalem Personal und millionenschweren Investoren im Nacken. Berlin trägt inzwischen sogar den Beinamen Silicon Allee. Im Silicon Valley Kaliforniens waren es noch Garagen, aus denen die Ideen der damals jungen Tech-Gründer nur so zu strömen schienen. In Berlin geht es da etwas hipper zu, man arbeitet in Hinterhofbüros und Lofts, ausgebauten Fabriketagen und charmanten Altbauwohnungen. Die Räumlichkeiten finden Startups unter anderem auf Gewerbeplattformen wie JLL. Wer sich dort auf der Webseite des Immobiliendienstleisters umschaut, findet moderne Büroräume zur Miete in der Hauptstadt, egal ob rund um den Landwehrkanal in Kreuzberg, am Spreeufer in Friedrichshain oder in Mitte rund um die Torstraße. Schäbig sieht anders aus. Mitte, Friedrichshain und Kreuzberg, das sind die einschlägigen Bezirke in Berlin, an denen man stellenweise um die Mittagszeit am Dönerimbiss auch mal zwanzig Minuten anstehen muss, weil nicht nur Touristen Hunger bekommen, sondern auch junge Grafiker, Programmierer und Agenturmädchen.

Statistisch gesehen wird in Berlin etwa alle 20 Stunden ein neues Unternehmen gegründet. Die Entwicklung der digitalen Wirtschaft sorgt de facto dafür, dass sich Berlins Wirtschaft insgesamt leicht positiv entwickelt. Neben London und Tel Aviv ist Berlin nach wie vor einer der interessantesten Standorte für Investoren und Venture Capitalists. Die Startup Szene schafft derzeit die meisten Jobs, alte Gebäude werden zu schicken Büroimmobilien aufgehübscht, in die diese Unternehmen dann einziehen. Die Veränderung gefällt nicht jedem, denn durch die schicken Glasfassaden, Restaurants und Cafés verliert Berlin im Stadtbild einiges von seiner Rauheit, die der Stadt so oft nachgesagt wird und um die so mancher inzwischen offen trauert. Aber so ist das eben, das Berlin der 80er Jahre gibt es nicht mehr, genauso wenig wie die Mauer. Das ist der Lauf der Dinge, das ist die Entwicklung der Stadt. Das gefällt nicht jedem, aber Berlin war ja auch noch nie ein Ort, der es allen recht machen wollte. Ganz im Gegenteil.

Berlin-Friedrichshain
Abb. 2 – Berlin-Friedrichshain

Bildquelle:
Abbildung 1: Udo via flickr.com © CC BY 2.0
Abbildung 2: La Citta Vita via flickr.com © CC BY 2.0

About waldnase

Komme aus der Provinz und seit 1999 Berliner! Mich interessiert hauptsächlich Geschichtliches und Kreatives aus der spannendsten Metropole Deutschlands.

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One comment

  1. Endlich schreibt mal jemand was zu dem Thema, vielen Dank!

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