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Kaufen! Lesen!!! Verschenken! "Die Berlinreise" von H-J.Ortheil

Sicherlich ist dieses Buch ein Überraschungserfolg für den Verlag Luchterhand, und überraschend klarsichtig beschreibt hier ein 12jähriger das Berlin des Jahres 1964, sowohl West- als auch Ostberlin.

Es sei hiermit allen Berlin-Fans empfohlen, die es sich selbst oder anderen auf den Gabentisch legen wollen. Da auch ich aus Lichterfelde stamme (das war seine erste Anlaufstation bei der Berlinreise) und nur unwesentlich älter als H-J. Ortheil bin – erlaube ich mir hier eine kritische Würdigung seiner Eindrücke :

Was mir gefiel :
Auch ich habe Winnetou verschlungen, war gerne bei Aschinger, habe ab dem 1. Heft in der Pardon geblättert und fuhr lieber mit der S- als mit der U-Bahn, trotz des Boykott-Aufrufs. O. hat eine feine Beobachtungsgabe, wenn er den Unterschied zwischen Ost- und Westberlin beschreibt, bis hin zu einem gelegentlichen Wortwitz, den er mit Sicherheit aber nicht im Dialog hatte. Einige Male musste ich jedenfalls über skurrile Formulierungen lachen – und dann hat ein Autor bei mir fast schon immer gewonnen.

Wo ich nachdenken musste:
Ohne den tollen Gesamteindruck schmälern zu wollen, stelle ich aber noch etwas Anderes fest. Das Buch beschreibt nicht nur eine Reise, sondern auch eine ungewöhnliche Vater–Sohn-Beziehung, die ich mir so nach seiner Pubertät nicht vorstellen kann. Heutige Väter würden sich sicherlich über einen Sohn, der nicht dazwischenredet, gerne Notizen und Spaziergänge macht, klassische Musik hört und spielt und James Bond verachtet, über alle Maßen freuen (und wundern).

Und dann schimmert da noch das traumatische Kriegserlebnis der Eltern durch, was die Mutter z.B. nie wieder nach Berlin reisen ließ und auch beim Vater emotionale Reaktionen auslöste. So hat Die Berlinreise – wie fast jedes Buch – mehrere Vermittlungsebenen, und es macht Spaß, diese zu erforschen. Vorgeblich hat O. diesen Bericht nur für seinen Vater geschrieben und erst vor Kurzem wieder entdeckt. Und angeblich nicht (bis auf Rechtschreibung) verändert. Ich habe da an einigen Stellen meine Zweifel, aber das muss Jeder selbst beurteilen und allein raus finden. Viel Spaß dabei !

Berlinreise

Erhältlich im guten Buchhandel oder direkt beim Verlag.

  •  Titel: Die Berlinreise (288 Seiten)
  • Autor: Hanns-Josef Ortheil
  • erschienen im Verlag: Luchterhand Literaturverlag (Mai 2014)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN: 978-3-630-87430-2

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Uralter Urberliner. Taxifahrer, Eisenbieger, Schneeschipper, Student, Wagenwäscher, Bananenverkäufer, Bauleiter, Ausbilder, Dozent, Hilfsarbeiter, Operator, Systemanalytiker, Autor, Stadtführer, Senior-Experte, Berliner Schnauze, usw. usw. Hab´ich was vergessen ?

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