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Ist der Berliner Dialekt nicht mehr gefragt?

Ick gloob, mein Hamsta bohnat!  So oder ähnlich wundert sich der Berliner, und jetzt schreibe ich mal hochdeutsch, damit mich das internationale Publikum besser versteht. Wenn ick inn´ Slang abrutsche, bitte jleich die Meckaspalte unt´n füa ´ne orntliche Klatsche benuzz´n! Ich muss nämlich eine für Berliner sehr traurige Feststellung machen: Das o.a. Büchlein, das mein Herz dieser Tage fühlbar erwärmt hat, ist nach Auskunft des Verlags vergriffen und nur noch antiquarisch zu bekommen. Hiermit starten wir also eine Petition, dieses zu ändern, oder ?

In der guten, alten Zeit, die überhaupt nicht immer gut war und zumeist sehr alt ausgesehen hat, war es bei Androhung von Strafe verboten, zu Berlinern. Das sei noch nicht einmal ein Dialekt wie z.B. das Platt- oder Schwyzerdeutsch, sondern nur ein Slang (engl.) oder noch schlimmer: ein Jargon (franz.). Au Backe! Glücklicherweise hatte ich dann rechtzeitig die Oberschule „geschmissen“ und auf dem Bau gelernt, so sind mir also Reste des Berliner Dialekts erhalten geblieben. Mein Erweckungs-Erlebnis hatte ich 1976 bei einer Rundfahrt in Israel: Zwei vornehme, ältere US-Amerikanerinnen drehten sich nach mir um und sprachen mich auf Deutsch an (= also Emigrantinnen): „Ach, Sie kommen sicher aus Berlin, die sprechen ein so schönes Deutsch, was wir kaum noch zu hören bekommen.“ Na das ging runter wie Öl, kann ich sagen ….

Zeitsprung

Neulich finde ich auf dem Krabbeltisch einer Buchhandlung „Das Berliner Wilhelm-Busch-Album“ von Gerda Gränzig, erschienen im Mundart-Verlag M. Naumann. Absolut genial, und weil ich mich scheckig gelacht habe, kaufte ich die letzten drei Exemplare für je 3,00 €. Hier eine Kostprobe, daneben der Originaltext zum Vergleich:

Max + Moritz Berl.012 Max + Moritz Vorw.

Man muss sich mal vorstellen, dass dieses Meisterwerk des schwarzen Humors in Österreich noch bis 1929 für Kinder verboten war, und das Wilhelm Busch wahrscheinlich unbemerkt den deutschen Sprachraum um -zig Redewendungen bereichert hat.

Beispiele? Klar doch!

  • Musik wird störend oft empfunden, dieweil sie mit Geräusch verbunden.
  • Drei Tage war der Frosch so krank, jetzt raucht er wieder, gottseidank.
  • Wofür sie besonders schwärmt, wenn er wieder aufgewärmt……. usw.usw.

Un jezz uff Balina Släng :

  • Kohl, wie da ihr Herze lacht, wenna wieda warmjemacht.
  • Warte Spitz, du blöda Köta, aus dir mach ick Hackepeta.
  • Onkel Fritze meente:  Icke,    hab´ schon längst de Faxen dicke !

Epilog

Vor 25 Jahren (!) hieß es mal, im Prenzlauer Berg würde man noch richtigen Berliner Dialekt hören, denn in Westberlin wimmelte es ja vor zugereisten Studenten, kaum noch Berliner darunter. Das hat sich ja nun auch geändert, denn laut W. Thierse muss man dort – zu seinem Leidwesen – beim Bäcker bereits schwäbisch reden. Hier also der Aufruf zur Rettung des Berliner Dialekts, vielleicht gibt´s ja eine Neuauflage des vorgestellten Buches, wenn genug Bestellungen beim Verlag eingehen – ein Versuch ist´s wert!

About Wolfkamp

Uralter Urberliner. Taxifahrer, Eisenbieger, Schneeschipper, Student, Wagenwäscher, Bananenverkäufer, Bauleiter, Ausbilder, Dozent, Hilfsarbeiter, Operator, Systemanalytiker, Autor, Stadtführer, Senior-Experte, Berliner Schnauze, usw. usw. Hab´ich was vergessen ?

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6 comments

  1. Meinem Empfinden nach war Berlinern im Westen eher ein „Unterschicht“-Ding, wohingegen im Osten auch von Akademikern berlinert wurde. In meiner Familie war es bspw. gar nicht gern gesehen, wenn wir „icke“ und „dit“ sagten und so richtig habe ich das erst nach dem Mauerfall zu schätzen gelernt. Mittlerweile gleicht sich das an und auch im ehemaligen Ostteil wird weniger Berlinert.
    http://www.hu-berlin.de/pr/medien/publikationen/regelmaessig/tsp/ws02_03/dialekt_html

  2. Ich finde die deutsche Sprache lebt von den Dialekten!!
    Und gerade das Berlinern ist ja in der ganzen Welt bekannt – es sollte wieder mehr genutzt werden!!

    • Na, sar`ick doch. Wennick de Schweizer nich vasteh, denn müss´n die mich nich ooch jleech vasteh´n. Und be de Ostfries´n jibbts ´n extra Projramm int Radio uff Platt – nua bee uns nich !
      Allet Sch….., Deine Emma !

  3. Kalle Wumpe, Berlin

    Leidgenossen zwischen Krummer Lanke, Reichstag und Gedächtniskirche: „Wa sitzen oft mit Leuten am Stammtüsch, die welche kenn´, die Berlinisch jut finden. Berlinisch klingt nämlich bessa, als Politisch.“

  4. Ick hae nich nur eene Meenung, ick due ooch wat. Ick iebasetze neemlich meen Jeschreibe int Berlinische. Balle wer ick et vaöffenlichen. Titel: „Unjereimtet un jereimtet“

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