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Carsharingtest: Multicity in Berlin

Wir haben es jetzt auch mal gewagt, mit einem Carsharing-Auto durch die Stadt Berlin zu fahren. Dazu haben wir uns einen Neuling ausgesucht, Multicity, die weiß-violetten Flitzer, die sich gerade rasant in der Stadt vermehren, das besondere daran – die Autos fahren 100% Elektrisch. Im folgenden Test berichten wir über das Angebot, unsere Erfahrungen bzgl. der Anmeldung bis hin zur ersten Fahrt und dessen Abrechnung.

Das Angebot

Multicity bieten aktuell Ihre flexible Fahrzeugflotte (d. h. nicht stationsbasiert) nur in Berlin an. Das Geschäftsgebiet umfasst ungefähr ein etwas größeren Radius als der S-Bahnring, zusätzlich sind Teile von Steglitz inbegriffen. Der Tarif ist ganz einfach, 28 Cent/Minute. Es ist möglich Pakete im Vorfeld zu erwerben, was den Minutenpreis bis auf 20 Cent/Minuten senken kann. Zusätzlich kann wenn gewünscht, gleichzeitig optional eine Anmeldung für das CarSharing-Angebot von Flinkster und Call-A-Bike vorgenommen werden. Nicht ganz unwichtig, die Reichweite einer „Strombetankung“ soll lt. Herstellerangaben bis 150 km reichen. In der Regel kostet die Registrierungsgebühr 9,90 Euro incl. Startguthaben oder mittels Gutschein günstiger oder mit größerem Startguthaben.

Carsharing Multicity - Das E-Mobil
Carsharing Multicity – Das E-Mobil

Die Anmeldung

Die Anmeldung kann online im Internet auf der Hauptsteite von Multicity Carsharing vollzogen werden, vorausgesetzt Man(n) oder Frau ist 18 Jahre alt und ist im Besitz eines gültigen Führerscheins. Nach Eingabe und Abschicken der relevanten Daten erhielten wir eine Begrüßungs-Email mit Kundennummer und Passwort. Zusätzlich als Anhang der Kundenvertrag – ein generiertes RTF-Dokument, was Word-kompatibel ist und theoretisch von PC und MAC – Rechnern gelesen werden kann. Leider hat unser Windows und das Word-Programm allergisch auf diese Datei reagiert und vor möglichen Gefahren gewarnt. Tatsächlich ist das RTF-Format, keine gängige Dokumentart mehr. Besser wäre auf das bekannte und bewährt PDF-Format zurückzugreifen, welches auch Eingaben zulässt.

Um unsere gemachten Angaben zu verifizieren und das die letztendliche Freischaltung unserer Anmeldung erfolgen kann, mussten wir zu einer Registrierungsstelle gehen, welche ausreichend in der Stadt vorhanden sind. Wir entschieden uns für das BVG-Zentrum am U-Bhf Zoologischer Garten. Relevant ist die Vorlage des Personalausweises, Führerschein und was leider in der Email nicht stand, der Kontonachweis. Zusätzlich erwies sich dieser Kontonachweis unerwartet kompliziert. Die Kontoangabe bei der Anmeldung muss im SEPA – Format, sprich IBAN erfolgen. Vorgelegt haben wir unsere EC-Karte der Hausbank, welche noch die alte Kombination Konto-Nr und BLZ aufgedruckt hat. Der BVG-Mitarbeiter pochte auf einen Nachweis der kompletten IBAN – Nr, obwohl sich abgesehen der ersten vier Stellen, die restlichen Ziffern aus der Kontonr. und der BLZ ergeben. Mit Hilfe eines schnell organisierten Kontoauszuges konnte der Nachweis getätigt werden, was nicht gerade kundenfreundlich ist. Mittlerweile haben wir erfahren, dass mittels eines IBAN-Rechners im Internet die ersten vier Zeichen der IBAN-Nr. ermittelt werden können. Die Krönung war leider letztendlich, dass der BVG-Mitarbeiter mitteilte, dass die FAX-Kommunikation mit Multicity aktuell gestört sei, was auch einem anderen Neu-Kunden mitgeteilt wurde. So hofften wir erst mal, das dies nur eine Sache von Stunden oder vllt. 1 oder 2 Tage sei. Zum Abschluss des BVG-Besuches erhielten wir noch eine Kopie der Verifizierung sowie eine Multi-City Mappe mit Informationen und der Plastikkarte, welche aber noch nicht freigeschaltet war.

Leider hat sich nach zwei Wochen bzgl. der Freischaltung immer noch nichts getan, so wurde unsererseits ein Anruf bei Multicity getätigt, wo bestätigt wurde, dass es Probleme mit der BVG-Station am Zoologischen Garten gibt. Mittels einer mitgeteilten FAX-Nr schickten wir dann die Kopie der Verifizierung an Multicity. Kurz darauf kam dann endlich die Bestätigung der erfolgreichen Freischaltung per eMail. Was lange währt wird gut, könnte man sagen.

Die erste Fahrt

Jetzt ging es ans Eingemachte. Wie fährt es sich mit einem elektrischen Carsharing-Auto? Dazu muss man erst mal ein Auto in der näheren Umgebung finden. Multicity bietet praktischerweise eine App (iPhone/Android) an, welche wir auch gleich genutzt haben. Zu sehen, sind verfügbare Autos im Umfeld sowie dessen „Strombetankung“ in Prozent, das gewünschte Auto kann dann gleich für 15 Minuten reserviert werden. Bei diesem Vorgang gab es bei unserem Versuchstest mehrmals ein Synchronisierungsproblem mit dem Web-Server der App, daher wussten wir nicht, ob es reserviert war oder nicht. Also schnell zum Auto gegangen und es stand am angegebenen Platz, welcher sogar ein Tankplatz war, sprich das Auto hing auch am Stecker. Dies erklärt wohl auch die 101% „Strombetankung“ in der App, obwohl 100% ausreichend wären.

Carsharing Multicity - Anmeldekonsole
Carsharing Multicity – Anmeldekonsole

Das Auto wird geöffnet mittels der Plastikkarte, welche über die kleine Konsole gehalten wird, die an der Frontscheibe befestigt ist. Die Konsole zeigt mittels einer Ampel an, ob das Auto verfügbar ist. Bei unserem ersten Versuch ließ sich das Auto so problemlos öffnen. Wichtig, war noch das Abklemmen vom Stromnetz, dazu wird das Kabel von der Autobuchse und von der Stromsäule entfernt, was schnell vonstatten ging. Das Kabel wird dann in den Kofferraum gelegt. Der Innenraum war nicht anderes wie bei einem „normalen“ Automatik-Auto auch. Allerdings gibt es im Gegensatz zu anderen Carsharing-Anbietern keine Konsole mit Begrüßung, Passwort, Nennung möglicher Schäden usw., des weiteren wird das Auto klassisch mit einem Schlüssel gestartet. Dieser Schlüssel befindet sich im Handschuhfach und da sollte der Schlüssel am Ende der Fahrt auch wieder hin und einrasten, sonst kann man das Auto nicht abmelden. Zusätzlich war ein Navigationssystem am Mittelspiegel verfügbar.

Carsharing Multicity - Armaturenbereich
Carsharing Multicity – Armaturenbereich

Die eigentliche Fahrt verlief recht flott, die Armaturenanzeige zeigt im oberen rechten Bereich die restliche Reichweite mit der aktuellen „Strombetankung“, dort waren 92 Kilometer zu sehen. Was von der Herstellerangabe extrem abweicht, bei diesem Autotest war ähnliches zu lesen, andererseits haben sich sich E-Autofahrer in diversen Foren ausgetauscht, dass das Auto erst „eingefahren“ werden musst und das die Berechnung wohl auf Erfahrungswerten des jeweiligen Autos beruht. Unsere Fahrt betrug letztendlich 22 Kilometer und die Rest-Reichweite war auf 85 Kilometer. Mit dem Auto ging es zum Olympiastadion und über den Kurfürstendamm, dabei konnte das Auto gut mit den anderen Verkehrsteilnehmern mithalten. Geräuschsmäßig brummt das Gefährt auf eine angenehme Art.

Carsharing Multicity - Handschuhfach
Carsharing Multicity – Handschuhfach

Die Abrechnung

Nach erfolgreicher Fahrt ist die Buchung dann im gut aufbereiteten Kundenbereich von Multicity im Internet nachzulesen, dort waren die Daten von unserer ersten Versuchsfahrt teilweise widersprüchlich, weil unterschiedliche Startzeiten angezeigt wurden, siehe folgende Bilder, im Übersichtsbild von zeitlich gebucht von 20:14 – 21:16, im Detail (Vorschau die nächste Rechnung) – 20:18 – 21:16. Wäre gut zu wissen, woher dieser Unterschied von 4 Minuten kommt, Zeit vom öffnen des Autos bis zur letztendlichen Abfahrt oder ein Ausgleich weil das Auto noch an der Steckdose dran war?

Multicity Abrechnung  Übersichtsbild
Multicity Abrechnung Übersichtsbild
Multicity Abrechnung  Detail
Multicity Abrechnung Detail

Fazit

Alles in allem ist es eine angenehme und umweltbewusste Art, mit Multicity, in der Stadt Auto zu fahren, allerdings noch mit ein paar Kinderkrankheiten. Gerade bei der Anmeldung und Abrechnung, da besteht noch Nachholbedarf. Eine genaue Übersicht was uns positiv, negativ aufgefallen oder neutral einzustufen ist, ist in der folgenden Aufzählung zu sehen. Wer neugierig ist, kann direkt für weitere Informationen beim Anbieter Multicity nachschauen. Bei Fragen zum Test oder wer schon selbst eigene Erfahrungen gemacht hat, einfach die unten stehende Kommentarfunktion benutzen, es wird umgehend beantwortet.

Pluspunkte:
+ umweltfreundlich
+ kostengünstig mit 28 Cent/Minute bzw. mit Paketen bis zu 20 Cent/Minute
+ mittlerweile viele Autos in der Stadt Berlin
+ Anmelden am Auto per Karte
+ Navigationssystem
+ 4Türer-Autos
+ kundenfreundlicher Bereich auf der Webseite

Neutral:
+/- angenehm zu fahren, aber auch kein Sportauto mit schnellen Starts
+/- Geschäftsgebiet umfasst im wesentlichen den Berliner S-Bahnring + Teile von Steglitz (könnte gerne noch größer sein)
+/- eine Stromladung reicht für ca. 90-100 km, nach Herstellerangaben bis zu 150 km, ließ sich bei unserem Test nicht verifizieren
+/- die APP hat noch nicht 100% funktioniert
+/- Start mit klassischem Zündschlüssel, andere Automarken/Carsharing-Anbieter haben einen Knopf

Minuspunkte:
– komplizierte / umständliche Anmeldung speziell in unserem Fall
– BVG-Mitarbeiter besser schulen
– Abrechnung ist nicht 100% plausibel – unterschiedliche Angaben

About waldnase

Komme aus der Provinz und seit 1999 Berliner! Mich interessiert hauptsächlich Geschichtliches und Kreatives aus der spannendsten Metropole Deutschlands.

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No comments

  1. In Berlin scheint das Ganze schon ganz gut zu klappen. In München zahle ich mir mit Drive Now noch den Ar*** ab! Hoffe die Flotte wird bald aufgestockt!

  2. Also ich finde Carsharing super
    Ich teile mir das Auto bei Drivenow immer wenn ich fahre so spare ich ne Menge und sonst fahre ich eh mit Bus und Bahn hier kannste ja mal gucken http://drivenowfan.wordpress.com/

  3. prima Bericht, danke. Bei mir ging das Anmelden innerhalb weniger Stunden an einem Tag, von der Idee bis zur freigeschalteten Karte.
    Habe eine Kreditkarte angegeben und bin dann beim Concierge des Maritim Hotels in der Stauffenbergstr. vorbei gekommen. Von ihm bekam ich nach einem Blick auf meinen Führerschein und Ausweis eine funktionierende Karte, das dauerte keine 10 Minuten.
    Sorry, typisch BVG, es war kein fax nötig.

  4. Leider ist die Anmeldung auch im Sommer 2015 noch nicht besser geworden … ich wollte heute nach vorheriger Online-Anmeldung meine Kundenkarte bei einer Registrierungsstelle abholen und freischalten lassen. Dazu bin ich extra quer durch die Stadt zur großen Citroen-Niederlassung Alboinstraße gefahren, weil ich noch einige Fragen zu Elektroautos hatte. Aber keiner der dort anwesenden Mitarbeiter hatte Kenntnis über den Vorgang der Freischaltung, auch waren aktuell keine Kundenkarten vorrätig. Ich wurde also wieder weggeschickt mit der Aufforderung, eine andere Registrierungsstelle aufzusuchen. Unfassbar, so was geht gar nicht … sehr unprofessionell.

  5. Achtung! Multicity schreibt für das Anschliessen an die Ladesäule keine Gutschrift mehr – bei Nachfragen schalten die auf stur und vermuten, das System hätte es nicht erfasst… oder gar keine Reaktion auf Emails. Und das mehrmals! Schade – hatte die bislang sehr gerne genutzt…

  6. Holger Trzeczak

    Vor zwei Tagen, am Freitag angemeldet, im Netz alle nötigen Datenangaben geleistet und Vertragsbestätigung bekommen. Nachmittags zur BVG-Stelle am Bahnhof Zoo, ein netter Mitarbeiter nimmt Führerschein und Ausweis in Augenschein und lässt sich zwei Unterschriften von mir geben. Es könne zwei bis drei Stunden dauern mit der Freischaltung, sagt er noch. Heute, Sonntag, zwei Tage später – erster Versuch, Multicity zu nutzen. Die Smartphone-App stürzt ständig ab und ist nicht nutzbar; kein Login möglich. Skepsis. Dann eben ohne App. Im Browser ein Auto in der Nähe gefunden, Karte ans Lesegerät hinter der Frontscheibe gehalten, das Ampelsystem reagiert wie beschrieben. Nur – keine Tür geht auf. Fünf Minuten lang immer wieder versucht. Nix. Anruf bei der Hotline. Der Mitarbeiter findet mich nicht im System. Ich habe zwar schon eine Kunden-Nummer und eine Karten-Nummer, bin aber noch nicht freigeschaltet. Der Mitarbeiter behauptet, das könne schon zwei bis drei Werktage dauern, das stehe sogar seines Wissens nach in den AGB. Ich zitiere den BVG-Mitarbeiter, der sagte zwei bis drei Stunden. Tja, der Mitarbeiter kann nix machen, schiebt alles auf die BVG, die hätte nichts aufs Fax gelegt… Er sagt noch zehn Mal tut uns leid. Ihr mir auch, denke ich und breche das Vorhaben Multicity ab.

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