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Rio 2013/14 – Silvesterparty der Superlative

Gewöhnlich ist Vorsicht geboten, inflationär mit Superlativen umzugehen. In diesem Falle, allerdings, ist das durchaus angebracht. Ich rede von der Silvesterparty an der Copacabana, in der brasilianischen Metropole Rio de Janeiro. „Dass größte Open-Air Spektakel der Erde“, lautet die – mittlerweile – eingefleischte Bezeichnung in den Medien. Wir wissen: Brasilien ist gegenwärtig mehr denn je im Blick der Weltöffentlichkeit: Die Ausrichtung der WM lässt nicht mehr lange auf sich warten. Die Olympischen Spiele, 2016, auch nicht. Das Neujahr ist noch jung, daher eine kleine Rückblende zum Jahreswechsel.

Die Party
In den letzten Tagen des alten Jahres, tummelte sich die ganze Welt an der Küste der brasilianischen Metropole: Russen, Polen, Deutsche und andere Nationalitäten, so dass ich die Sprache nicht mal erkennen konnte. Alle wollten beim Spektakel dabei sein und mitreden können, wenn die ganze Welt im kommenden Sommer über das Land mit kontinentaler Größe sprechen wird. Auch die Luxusliner und Frachtschiffe platzierten sich gleichermaßen ungeübt und elegant an der Meeresküste und hatten natürlich einen besonderen Blick über das 16 Minuten dauernde Feuerwerk. Zugegebenermaßen sehen diese im TV immer besser aus ABER wer einmal diese Party erlebt hat, vergisst es nie.

Feuerwerk an der Cocabana (Foto: Gustavo Oliveira)
Feuerwerk an der Cocabana (Foto: Gustavo Oliveira)

Das musikalische Programm
Anstatt internationale Größen wie Stevie Wonder (Weihnachten 2012) und ähnliche Acts, entschied der Organisator, das Fremdverkehrsamt RioTur, Lokal-Matadore wie Carlinhos Brown und Lulu Santos zu verpflichten. Keine schlechte Wahl, da aktuell beide Personalien beliebte Jury-Mitglieder der brasilianischen Version vom Gesangswettbewerb „The Voice“ sind. Kurz nach Mitternacht durfte dann die Gewinnerin des 2013 Sambaschulen-Wettbewerbs nicht fehlen. Ihre Kostüme und Tanz begeistern immer und sind ein Augenschmaus.

Bei einer atemberaubenden tropischen Sommernacht, wie sie hätte nicht besser im Bilderbuch stehen konnte, die Möglichkeit Evergreens und Ohrwürmer in die Welt zu schreien, zu feiern (und zwar ganz ohne die Neujahrsansprache der Bundeskanzlerin und ohne die sorgenvollen Nachrichten der Süddeutschen Zeitung, was nun alle 2014 auf einen kommen könnte) ist in Rio ganz selbstverständlich. In der deutschen Presse ist das Neujahr nicht einmal 24 Stunden alt und schon wird einem die Zukunftsangst in Häppchen eingereicht. Nicht jedoch an der Copacabana!! Im Neujahr sind die Strände noch voller Menschen. Der Nebeneffekt waren ganze 356 Tonnen Müll, die von der städtischen Müllentsorgungsfirma entfernt wurden aber das alles tut dem ausgiebigen Feiern keinen Abbruch. Zu unproblematisch und locker sind die „Cariocas“ (so werden Einheimische und Zugezogene genannt) um sich von solchen Lappalien die Partylaune verderben zu lassen. Die Müllmenge ist zwar immer ein Thema am Tag danach, aber ein Konzept zur Müllvermeidung liegt noch immer nicht vor.

Die lokale Infrastruktur
Die Fahrt von entfernten Bezirken und Stadtperipherie zum Strand von Copacabana gestaltet sich als langwierig und anstrengend. U-Bahn-Tickets können im Vorfeld gekauft werden um dort zumindest das Schlange stehen zu vermeiden. Menschenschlangen gibt es aber reichlich und nicht nur zum Jahresende. Der Mitteleuropäer, wenn unterwegs, bringt so ziemlich alles mit: Wasser, ein Apfel, eine Stulle um bloß keine Moneten ausgeben zu müssen! In Rio, durch den regen Straßenverkauf, gibt es ziemlich alles zu kaufen. Die Einheimischen selbst (zugegebenermaßen zähle ich mich in dieser Hinsicht nicht mehr dazu) kaufen alles unterwegs: Fleischbällchen, Torten, Süßigkeiten, Salzstangen kombiniert mit einer Schorle oder einen Fruchtsaft. Müsli und Energetiker gibt es frisch vorbereitet und nicht wie in manchen Berliner Saftläden, wo der selbige seit den ersten morgigen Stunden herumliegt und lau schmeckt. Die Rückkehr nach der Feier kann sich auch langwierig gestalten. Dies gilt natürlich nicht, für die, die in unmittelbarer Nähe wohnen und gemütlich nach Hause laufen können oder das Spektakel beim schlürfen von Champagner (kein Sekt!) verfolgen können. Geübte und von überall angereiste Partyfans vertreten sich die Beine am Strand bis zur Morgendämmerung wenn verkehrstechnisch alles wieder ruhiger vonstatten geht. Die Hot-Dog Karossen waren in den frühen Morgenstunden begehrte Plätze bis schließlich die Wurst alle war.

Es gibt Mitbürger, die kein Party-Ende finden wollen und können. Für alle Geschmäcker und Partyintensitäten gibt es in der Copacabana eine Alternative. Man ist spontan, lässt sich auf Unvorhergesehenes ein und läuft, ausnahmsweise nicht der Zeit hinterher, sondern lässt die Zeit und das Umfeld ganz leichtsinnig an sich vorbei gehen nach dem Motto: „Das Neujahr kann kommen“. Die Ausgabe 2014 der Silvesterparty brachte über zwei Millionen Menschen an die Küste. Die Einwohner, die aus ihren Balkon die „Sache“ verfolgten, nicht mit eingerechnet.

Der Aberglaube
Als Tradition und Aberglaube gilt: Silvesterkleidungsstücke sollten weiß sein. Als Zeichen des Friedens. Blau geht auch, beige ist auch noch erlaubt. Schwarz ist absolutes Tabu. Bringt Unglück! Dann gibt es den Brauch, am letzten Tag des Jahres, Linsensuppe zu essen: Soll im kommenden Jahr Geld bringen. Dann gibt es auch den Aberglauben, dass wer beim Jahreswechsel Kleidungsstücke im Ton Gold trägt, wird im neuen Jahr keine Geldsorgen haben. Dann gibt es auch einen Brauch, um die verlorene Liebe wieder zu gewinnen. Um die Details hier preiszugeben, fehlen mir wichtige Kenntnisse, denn wenn es um die Liebe geht sind die Details das A und O. Umgeben von Brauchtum, Aberglaube und ungebremster Freude auf die Feier, sind die meisten Menschen an die Küste der Copacabana gepilgert mit dem Wissen, die ganze Welt schaut zu. Man ist wieder wer. Auf der Weltbühne ist Brasilien bestens positioniert und der Wirtschaft geht es auch gut. Noch nie haben brasilianische Touristen so viel Geld im Ausland gelassen wie im Jahr 2013, sagt das brasilianische Fremdverkehrsamt, RioTur.

Venedig soll man gesehen haben. Berlin soll man gesehen haben. Das Neujahrsfest an der Copacabana muss man gesehen haben! Überzeugt Euch selbst.

Video/Bilder Copyright: Gustavo Oliveira (BRA)

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  1. Erstmal frohes Neues 🙂 Die Silvester-Party in Rio ist schon echt schön gemacht. Wäre gern da gewesen. Im Vergleich dazu wirkt das Feuerwerk am Brandenburger Tor schon fast erbärmlich. Würde mir für die nächste Party in Berlin wünschen, dass weniger Pseudo-Stars auftreten, dafür mehr Geld in ein schöneres Feuerwerk gesteckt wird.

    LG, Jessy

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