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Berlinale – Es ist angerichtet!

Spätestens bei der alljährigen Pressekonferenz wird es glasklar: Die Berlinale steht vor der Tür und ist Teil des urbanen Szenarios. Die Kuratoren der Sektionen haben sich am Dienstag (28/01) Fragen der Presse gestellt. Am meisten erwartet wird immer das Zugpferd, die Seele des Festivals, Dieter Kosslick, der einen eigenen Photo-Call hat, bevor die „anderen“ eintrudeln können.

Zuvor war die kleine Bühnenecke, beschmückt mit allerei Berlinale Marketingartikeln, das Objekt der Begierde der Photographen. Dort tummelten sich Regenschirme, Müslischalen, Kaffetassen und natürlich der Berlinale-Schal, in diesem Jahr in blau anstatt dem traditionellen rot.

Merchandising-Ecke
Merchandising-Ecke

Überraschenderweise durften die Journalisten gleich zu Anfang Fragen stellen. Das ist ausdrücklich zu begrüßen. In manchen Jahren ähnelt der grossangekündigten Presse-konferenz einer  Veranstaltung nach einem deftigen Essen in der Mensa. Auch die Kürze der Pressekonferenz war sehr clever gewählt. Knapp über eine Stunde sprachen die Kuratoren über den programmatischen Fokus der jeweiligen Sektionen.

Pressekonferenz Berlinale
Pressekonferenz Berlinale

„Filme zeigen uns, was in der Welt passiert“, ist einer der legendären Sätze des Dieter Kosslick. Wenn man sich dazu die unverwechselbare politische Note der Berlinale ins Gedächtnis ruft, dann stellt man fest, dass einige wichtige Themen der letzten Zeit  beim diesjährigen Festival filmisch nicht beleuchtet werden. Dazu gehören die jüngsten landesweiten Prosteste in Brasilien sowie die Meldungen über die sklavenartigen Arbeitsbedingungen der Bauarbeitern in Qatar, WM-Ausrichter im Jahr 2022. Dazwischen, um das hanseatisch-untertrieben auszudrücken, viele Patzer des Fußballweltverbandes FIFA. Zum Thema Fußball gibt es auf der Berlinale in der Sektion Panorama „Land of Storms“ des ungarischen Regisseurs Adam Császi, dessen Plot eher die persönliche Entfaltung  schildert. Es ist eine Liebesgeschichte zwischen einem deutschen und einem ungarischen Fußballspieler. Noch gar nicht lange her, outete sich der ehemalige Fußball-Nationalspielers Thomas Hitzlsperger. Dieser wird, so Wieland Speck, bei der Berlinale erwartet.

Aber… die Frage, die die ganze Nation bewegt ist nur die Eine: Kommt Mr. George Clooney nach Berlin? Der Chef höchstpersönlich stellte es gleich zu Anfang der Pressekonferenz klar: Ja, der kommt. Ob der dänische Regiesseur Lars von Trier auch den Weg nach Berlin findet, war zunächst kein Thema. Erst am Rande und quasi im Off bei einer dementsprechenden Journalistenfrage hieß es: „Ich glaube erst daran, wenn er hier ist…“

Als berühmte programmatische rote Linie bezeichnete der Berlinale-Chef, dass die Filme besondere Längen haben. „Es gibt einige Geschichten, die Zeit benötigen, sich zu entfalten“. Wo er Recht hat!

Dieses Jahr verspricht die Berlinale eine sehr gute zu sein. Die Auswahl der Wettbewerbsbeiträge kann sich sehen lassen. 4 deutsche Beiträge, so repräsentativ wie selten in den letzen Jahren. Dazu ein starkes chinesisches Kino und starke Präsenz lateinamerikanischer Filme (Uruguay, Argentinien, Brasilien, Chile, Mexiko). Nach 5 Jahren Abwesenheit vom Wettbewerb, ist Brasilien mit einer brasilianisch-deutschen Co-Produktion zu sehen, zu 60% in Berlin und an der Nordsee gedreht und zu 40% im atemberaubenden Fortaleza, an der nordöstlichen brasilianischen Küste.

Nachfolgend einige Filmempfehlungen:

Wettbewerb

1. Praia do Futuro (BRA/DE) Regie: Karim Äinouz

2. The Monuments Men (DE/USA) Regie: George Clooney

3. Historia del miedo (History of Fear) (ARG/ Uruguay / DE / FR) Regie: Benjamin Naishtat – Spielfilmdebüt

4. Kraftidioten (Norwegen/Schweden/Dänemark) Regie: Hans Petter Moland. Hier spielt Bruno Ganz die Hauptrolle.

Panorama

1. Another World (USA)
Regie: Rebecca Chaiklin, Stevens Fischer
Über die Occupy Bewegung an der Wall Street. Ein Dokumentarfilm, der diesen Namen verdient und in beeindruckender Weise zeigt, dass eine Zurückbesinnung zu Werten wie Solidarität, Anteilnahme und Hartnäckigkeit beim Wind und Wetter nicht aus der Mode sind, wie manche neoliberale gesellschaftliche Ordnung vermuten lässt.

Für die Freunde des lateinamerikanischen Kinos und die, die es noch werden wollen:

2. Güeros (Mexiko)
Regie: Alonso Ruíz Palacios
Ein S/W Road Movie, das gleichermaßen Widerstand und Chaos zeigt und gleichzeitig eine Hommage an die Nouvelle Vague ist. Die Geschichte eines vergessenen mexikanischen Volkshelden, der angeblich sogar Bob Dylan zum Weinen gebracht haben soll.

3. The Dog (USA)
Regie: Allison Berg, Frank Keraudren
Eine 10-jährige Begleitung eines sonderbaren Zeitgenossen, der perfekte amerikanische Anti-Held. „The Dog “ (Selbstbezeichnung) ist der Kampfname des John Wojtowicz, der 1972 einen spetakulären Überfall auf die Chase Bank in New York ausübte, aus einem außergewöhnlichen Motiv heraus. 3 Jahre später erfuhr die Weltöffentlichkeit darüber durch Sidney Lumets Film „Hundstage“ mit Al Pacino in der Hauptrolle. „The Dog“ zeigt einen abermals außergewöhnlichen Lebensweg, seine Widersprüche, Verrückheiten und den Mut, das Lächerliche zu wagen. Ein Muss!

4. Kuzu (DE/Türkei)
Regie: Kutlug Ataman
Ein Dorf im Hochland Ostanatoliens gibt dem Rest der Welt Eindrücke in die kulturellen Gewohnheiten einer konfliktreichen armen Familie, die einen Traum nachhaltig und hartnäckig verfolgt. Der Regisseur schafft es, Empatie gleichermaßen für die Stärken und Schwächen seiner Charaktere zu entwicklen. Wie es der kleine Schauspieler in der Rolle des Sohnes der Familie intuitiv schafft, Emotionen glaubwürdig zu verkörpern, ist atemberaubend.

5.  O Homem das Multidões (The Man of the crowds) (BRA)
Regie: Cao Guimarães
Zwei Paralellgeschichten zur Einsamkeit in der U-Bahn einer Großtadt einschliesslich das Tauschen der reelen für die virtuellen Welt. Hier sind Deja Vus geradezu vor- programmiert.

Sektion Generation K Plus

Ein zusätzliches Highlight dieser Sektion ist die Wiederbespielung des gerade frischrenovierten Zoo-Palast-Kinos, DER Tempel berliner Kinotradition.

1. Jack und das Kuckucksuhrherz (Jack et la mécanique du coeur) (FR/BEL)
Regie: Mathias Mazieu und Stéphane Berla
Fans von Tim Burton’s Animationsfilmen kommen hier ganz auf ihre Kosten. Für die Romantiker unter euch – es ist eine mitreißende Liebesgeschichte, gepflastert von Zufällen und Spannungen. Unterhaltung für Kids, Erwachsene, Verliebte und für die ganze Familie.

2. Tante Hilda (FR/LUX)
Eine köstliche Geschichte über eine naturbewußte Tante voller Flowerpower. Ein zusätzliches Highlight.

In Rücksicht auf das vor dem Berlinale Palast bei Wind und Wetter ausharrende Berlinale-Publikum, beschloß der Autohersteller und neue Hauptsponsor Audi, das Bauen einer Lounge entlang des roten Teppichs. Wer eine Kinokarte vorweisen kann, wird anschliessend in der Lounge mit den Regisseuren und Schauspielern diskutieren können. Auch fürs Essen entlang des roten Teppichs ist gesorgt. Das Catering der Markthalle 9 in Kreuzberg wird dort für einen bezahlbaren Preis „…politisch korrektes Essen anbieten…“ hiess es vom Chef persönlich.

Wie es scheint, wird die Berlinale eine gute. Wie es bei der Pressekonferenz hieß: „eine fröhliche“. Wir hoffen es und werden es hautnah verfolgen und euch immer wieder einen Zwischenstand geben.

Copyright Berlinale
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