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Der Verfall der Turnhallen in Berlin

Seit Jahren leiden Lehrer und Schüler öffentlicher Bildungseinrichtungen unter einem Sanierungsstau und daraus folgend unter maroden Schulgebäuden. Betroffen davon ist in besonderem Maße auch der Sportunterricht – denn dutzende Turnhallen sind teilweise oder komplett für den Unterricht gesperrt. Aus dem zur Verfügung stehenden Etat werden bevorzugt Schulgebäude finanziert. Sportanlagen haben eine geringere Priorität und so werden die Hallen weniger berücksichtigt. 580 Millionen Euro sollen in den nächsten Jahren für den Schulbau aufgewendet werden. Für die notwendigen Sanierungsmaßnahmen allein würden jedoch mehr als 1 Milliarde benötigt, 200 Millionen davon für die Turnhallen.

unsaniertes Eckhaus am Gleisbett bei der Fußgängerbrücke / Kopenhagener Straße in P'Berg
unsaniertes Eckhaus am Gleisbett bei der Fußgängerbrücke / Kopenhagener Straße in P’Berg

Im kinderreichen Bezirk Prenzlauer Berg ist beispielsweise die Sporthalle der Grundschule am Kollwitzplatz bereits seit 3 Jahren dicht, da die Decke zu stark beschädigt ist. Wegen eines Rechtsstreits um eventuelle Baumängel folgen Gutachten auf Gutachten. Und selbst wenn die rechtliche Lage eines Tages geklärt sein wird, ist abzusehen, dass noch einmal Jahre vergehen werden, bis die Halle wieder nutzbar ist. In den Randbezirken scheint die Lage sogar besonders unangenehm. So sind in Marzahn-Hellersdorf vier Hallen dauerhaft geschlossen. Die Schüler müssen zu Ausweichhallen fahren, um am Sportunterricht teilnehmen zu können. Immerhin laufen bereits Baumaßnahmen für neue Turnhallen, die auch der wachsenden Schülerzahl gerecht werden sollen.

Und in Steglitz-Zehlendorf mussten im Jahr 2012 sogar ganze elf Turnhallen gesperrt werden. Hier mussten Lehrer den Sportunterricht teilweise in die normalen Klassenräume verlegen, um einen Unterrichtsausfall zu vermeiden. Empörte Eltern organisierten umgehend eine Initiative, sammelten Unterschriften und riefen Petitionen ins Leben – mit Erfolg: Hier lenkte der Bezirk ein und zog den Baubeginn einer neuen, 2,9 Millionen Euro teuren Halle prompt um ein Jahr vor.

Sanierung oder Neubau?

Grundsätzlich stellt sich auch die Frage, inwiefern statt einer Sanierung in einigen Fällen nicht stattdessen ein Neubau langfristig lohnenswert sein könnte. Moderne Stahlbaukonstruktionen wie sie zum Beispiel vom Unternehmen für Hallenbau Astron Biz angeboten werden, zeichnen sich beispielsweise durch geringe Wartungskosten und einen niedrigen Energieverbrauch aus. Werden alte Hallen energetisch saniert und auf einen zeitgemäßen Schulbetrieb angepasst, kosten die umfangreichen baulichen Maßnahmen in einigen Fällen bereits so viel, dass sich eine neue Sporthalle aus Stahl lohnen könnte. Eine solche könnte außerdem weitere Nutzungsmöglichkeiten – zum Beispiel durch Sportvereine – erschließen. Auch Bauzeiten könnten maßgeblich verkürzt werden.

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  1. Die Turnhalle am Kollwitzplatz war echt wunderschön.
    Schade das es soweit kommen musste. Lag sicher aber auch wieder an Baufusch…
    Heutzutage wird nichts mehr für ewig gebaut. Leider 🙁

    LG Janek

  2. Das Haus auf dem Foto kenne ich und finde es wunderschön (von Hinten).
    Ich hoffe sehr, daß sie das irgendwann nicht auch so sanieren, daß es zu dem anderen Einheitsbrei in der Gegend passt.

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