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Verleihung des Deutschen Kurzfilmpreis 2013 in Berlin

Während die beiden Volksparteien bis spät in die Nacht wegen der Möglichkeit einer großen Koalition aufeinander hocken, rockt der deutsche Film. In der Prestigelocation Radialsystem fand sich die Filmszene am gestrigen verregneten Donnerstag Abend zusammen. Wer aber glaubt, die Dauertropfen hätten die Stimmung getrübt, der irrt.In lockerer vor allem aber herzlicher Atmosphäre begaben sich, zunächst zögerlich, Nominierte und Gäste in die Veranstaltungshalle. Für die lokale Presse war die erste Reihe mit entsprechender Beschriftung vorgesehen. Wichtige Werkzeuge, wie z.B. die Zurverfügungstellung von Steckdosen, waren wie es hieß „…nicht vorgesehen..“. Aha. Moderiert wurde die recht kurze Verleihung von Schauspielerin Inka Friedrich, die trotz anfänglicher Nervosität ihrer Rolle als Moderatorin doch gerecht wurde.

Seit 1956 wird der Deutsche Kurzfilmpreis verliehen. Die Rolle des Gastgebers wird abwechselnd von den unterschiedlichen Filmhochschulen im Lande übernommen. In diesem Jahr lud die DFFB (Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin) ein. Der DFFB-Direktor Jan Schütte positionierte sich nicht eindeutig, ob er es nun gut findet, dass der deutsche Kurzfilm eine eigenständige Verleihung hat oder nicht. Fakt ist: Kulturminister Bernd Neumann ist ein bekennender Fan des kurzen wie langen deutschen Films und nach den Fördermaßnahmen der Bundesregierung zu urteilen, erklärte er den deutschen Film zur Chefsache und unter dem Strich ist es das, was zählt.

In der Pressemitteilung lautete es „…Auszeichnungen in Gold können dabei an Spielfilme mit einer Laufzeit bis 7 Minuten und von mehr als 7 Minuten bis 30 Minuten Laufzeit, für Animationsfilme, Experimentalfilme und für Dokumentarfilme mit einer Laufzeit bis 30 Minuten vergeben werden…“. In diesem Jahr sind 302 Filmbewerbungen eingereicht worden. Daraus gab die Jury Kulturminister Bernd Neumann ihre Empfehlungen. Für die Nominierung und für die Auszeichnung ist allein der Minister zuständig. Auf den ersten Blick läßt dieses Prozedere an der Relevanz der Juryarbeit zweifeln. Dieser Eindruck wurde jedoch bei den diversen Laudatios gleich entkräftet. Gleichwohl wenn die Entscheidung beim Minister liegt, sind die Jurymitglieder ganz offenkundig mit Passion und viel Sorgfalt bei der Sache. Ralf Kukula, Geschäftsführer von Balance Film, ist einer davon. Bei gleich zwei Laudatios untermauerte er, dass bei über einen Film zu urteilen, viel mehr dazu gehört, als ihn nur mal eben auf der Scheibe laufen zu lassen. Ebenso außergewöhnlich bei dieser Preisverleihung ist: „…keiner geht leer nach Hause…“, stellte die Moderatorin klar. Wer nominiert wird, bekomme eine sog. Nominierungsprämie, das galt allen den 12 Nomminierten. Darunter (das ist beinahe das Beste) sind Hochschulabschlußarbeiten, die einen interessanten Einblick in das ästhetische Verständnis der Regisseure von morgen ermöglichen. Aber gut aufgepasst: Der schon in die Jahre kommende Regiesseur Jochen Kuhn zeigte sich überrascht über die Ausszeichnung in der Kategorie Animationsfilm – „Sonntag 3“ – und meinte, Kurzfilme sei nicht ein Domain der Jüngeren Generation sondern eine Vorliebsache, sich kinematographische auszudrücken. Und wie Recht er hat!

Unabhängig von seiner Parteienzugehörigkeit ist Kulturminister Bernd Neumann ein Glücksfall für den deutschen Film. Nicht „nur“ bei der alljährlichen Eröffnungsgala der Berlinale ist er eine feste Größe. Auch bei der Verleihungszeremonie des Short Films ist er sonst immer dabei und untermauert den Stellenwert des Deutschen Films. Bei der gestrigen Zeremonie war der Minister – leider – verhindert.

Nach der Verleihung begab man/frau sich dann aber ziemlich zügig auf die im Nebensaal stattfindende After-Show-Party bei leichter vegetarischer Kost samt Getränken, gestellt von den Sponsoren. Die Musik war zunächst den goldenen Zwanzigern gewidmet, inklusive dazu extra georderten 4 Tanzpärchen – zeitkomform gekleidet, versteht sich. Dann aber wurde der DJ gewechselt und rockte den Saal bei bester Tanzmusik bis spät in die Nacht bei ausgelassenen Stimmung und mit jeder Menge interessanten Gesprächen.

Der Verleihungszeremonie beizuwohnen bringt mehrere Genüsse mit sich, insbesondere die unvermittelte und authentische Begeisterung der Regiesseure über die begehrte „Lola“. Regiesseur Ulu Braun zum Beispiel, wurde ausgezeichnet in der Kategorie Experimental Film. Zum Ende seiner Dankesrede mit der Trophäe „Lola“ fest in der Hand sagte er mit der Miene eines Jungen, der sein sehnlichst erwünschtes Geschenk gerade bekommen hat: „Steht sogar „Forst“ darauf. Wahnsinn!“ und lachte übers ganze Gesicht. Der in Hamburg lebende mexikanische Regisseur Víctor Orozco Ramírez wurde für seinen Dokumentarfilm „Reality 2.0“ mit einer hübschen Summe von 20.000 Euro ausgezeichnet: „…Vor zwei Jahren wusste ich nicht ob ich bei McDonald’s oder bei Lidl arbeiten muss. Heute kann ich Filme drehen…“ offenbarte er und kriegte tobenden Beifall.

Mit der „Lola“ wurden ausgezeichnet:
– Spielfilm mit einer Laufzeit bis 7 Minuten-„Short Film“, Regie: Olaf Held
– Spielfilm mit einer Laufzeit von mehr als 7 bis 30 Minuten- „Sunny“, Regie: Barbara Ott
– Animationsfilm mit einer Laufzeit bis 30 Minuten- „Sonntag 3“,  Regie und Drehbuch: Jochen Kuhn
– Experimentalfilm mit einer Laufzeit bis 30 Minuten- „FORST“,  Regie und Drehbuch:Ulu Braun
– Dokumentarfilm mit einer Laufzeit bis 30 Minuten- „Reality 2.0“,  Regie: Victor Orozco Ramirez
– Sonderpreis für einen Spielfilm von mehr als 30 bis 78 Minuten „Continuity“, Regie: Omer Fast

 

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