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Plötzensee – Das kundenfeindlichste Freibad in Berlin

Wasseratten unter Euch werden es – auch – kennen. Freitag Abend nach einem stressigen Arbeitstag möchte man/frau ins kühle Nass und allen Sorgen des Alltages davon schwimmen.
Zugegebenermassen sind die Freibäder nicht das optimale Ziel, um das Wasserattendasein in vollem Unfang zur Entfaltung zu bringen. Aber wenn nun mal die Zeit knapp für die Seen im  Südwesten der Stadt ist, kann ein Besuch im Freibad doch ganz nett sein. Denkste!

Nicht wenn es um das private Freibad Plötzensee im Bezirk Wedding geht. Nicht „nur“ weil dort die grüne Wiese ziemlich hinüber ist und an den allgemeinen Kosten zur Instandsetzung kräftig gespart wird. Der FKK-Bereich ist meistens ganz nett. Echte Naturliebhaber kommen meistens am späten Nachmittag, um in Ruhe ohne die hyperventilierenden Jugendlichen den Tag ausklingen zu lassen. Zugegeben ist das naturbelassene Stück am Plötzensee recht winzig und man liegt auf hartem Betonboden (Liegestühle mieten war gestern). Plötzensee ist eben kein Privatstrand. Keinen Spaß allerdings versteht das dort tätige Personal. Die Kassiererinnen sind – dem Akzent nach zu urteilen – russischer Abstammung und beherrschen nicht die deutsche Sprache, sind aber eiskalt wenn es um Rabatt geht. Dies hat zur Folge, dass es oft Auseinandersetzungen an einem – oft dem einzigen – besetzten Schalter gibt. Die guten Feen scheuen sich auch nicht den Rabattpreis von 2,50 Euro zu verlagen, auch wenn die Uhr schon 18:15 zeigt und um 19 Uhr das Freibad geschlossen wird. Neulich war ein schwerbehinderter Mann mit seinem kleinen Sohn auch so spät da wie ich. Auch ihm wurde die Frage, ob man zur fortgeschrittenen Stunden „so“ reinkommen könnte, knallhart und ohne mit der Wimper zu zucken, verneint. Humorvoll sagte der Spätbesucher: „Nun habe ich einen kleinen Mann hier (Kinderpreis) und ich bin schwerbehindert im Besitz meines Ausweises.“ Sinngemäß lautete die Botschaft: „Um den Rabatt kommen Sie nicht herum.“

Mitarbeiter Mike, so eine Art „Mädchen für alles“ (Müll sammeln, hohes Maß an Hektik verbreiten und die abendliche gegröhlte Drohung „Wir schliessen um 19 Uhr!“), scheut nicht davor zurück die Leute, die nicht überpünktlich die Anlage verlassen, einzusperren, so als Erziehungsmaßnahme. Dass er damit die Straftat der Freiheitsberaubung begeht, interessiert ihn nicht weiter. Schliesslich wird er von dem Betreiber (und nicht Eigentümer, wie er sich gerne gibt), Herrn M. (oder was?) angestiftet, die Kunden an der kurzen Leine zu führen.

Nicht selten bekommt man am Eingang eine Schließzeit mitgeteilt, die jedoch mit den tatsächtlichen Fakten nicht übereinstimmt. Ein Beispiel: An einem Freitag Abend kam ich dort um 18 Uhr an und fragte extra am Eingang, wie lange man an dem Abend offen haben werde. Mir wurde 20 Uhr genannt. Erst dann beschloss ich doch noch für zwei Stunden 2,50 Euro zu bezahlen. Als ich im Wasser hübsch herum schwamm, kam über den Lautsprecher der Hinweis, bzw. die im Ton klingende Drohung, man werde PÜNKTLICH! um 19 Uhr schließen. Aha. Da wo ich herkomme nennt man sowas einen Vertrauensbruch, noch deutlicher heißt es Betrug. Zwar um ein wenig Geld, aber Betrug ist schließlich kein Kavaliersdelikt. Mike kam tatsächlich zum Wasser und teilte uns mit, sein Chef hätte ein Meeting anberaubt (Freitag um 19 UHR!!), deshalb müsse man früher schließen als ursprünglich angekündigt. Von Geldrückgabe oder Gutschein fürs nächste Mal war keine Rede. Man hält es nicht für nötig, die Kunden zu halten. Es gibt immer welche, die der Hitze gefolgt, mit sich jede Menge Schikane machen lassen. Sehr wohl sind viele Mitarbeiter vom Plötzensee kompetent in einem Ressort: Dem Besucher das bißchen Spaß am kühlen Naß richtig zu vermasseln.  Von den hygienisch äußerst bedenklichen Zuständen des Badezimmers (Dusche/Toilette) ganz zu schweigen.

Die dort am Strand ab 21 Uhr stattfindenden Parties sind ein astreines Vorbild in Sache Langeweile und Einfallslosigkeit. Dort an der – sogenannten – Strandbar begreift man nicht, dass auch für manche bescheidenen Kundenansprüche mehr als nur Alkohol oder ein paar Zelte, die man aufstellen kann, notwendig sind, um eine Party richtig in Schwung zu bringen. Am anderen Ende des Geländes hat ein Verein seinen Sitz. Die dort „gefeierten Parties“ erinnern an manche Familienfeier des Meister der Satire, Loriot. Die Trostlosigkeit und triste Atmosphäre lässt den Gedanken entstehen, ob man dem Jubilar nicht sein Mitleid aussprechen sollte.

Während die Kunden gehetzt werden, sei es das Wasser zu verlassen oder eben schnell von der Anlage zu verschwinden, plaudern ganz gemütlich die sog. Rettungsschwimmer am eckigen Tisch am Ende der Treppe, die zum Hauptstrand führt. Ganz egal, wo man sich befindet, der immer unter Strom stehende Mike läuft durch die Anlage, manchmal mit einem coolen Miniauto und grossen Reifen und protzt ein wenig (sonst gönnt man sich ja nichts).

Für diejenigen, die Spaß am Wasser haben, ist der Plötzensee nicht der geeignete Ort. Auch die Zufahrtsstraßen dorthin vom Westend aus sind seit Wochen gesperrt und erfordern einen Umweg über die Straßen neben rasend schnell fahrenden Autos. Das erleichert den Gang zu dem wahrscheinlich kundenfeindlichsten Schwimmbad Berlins nicht gerade. Wasserratten aufgepasst: Das Freibad Plötzensee mit seiner Kundenunfreundlichkeit war gestern. Es ist an der Zeit nach einem neuen Stammfreibad zu suchen. Auch für mich.

Wenn der Besitzer sich kundenfeindlich gibt, so wie ich mich neulich selbst davon überzeugen konnte, hat er seine Vorbildfunktion gegenüber den MitarbeiterInnen verspielt. Da ist es kein Wunder, dass die Kundenberuteilungen im Internet nicht rosig sind .

Gut, dass ich am jenem 02.08. nicht meinem nachmittäglichen Schwimmen nachgegangen bin. An jenem Freitag Abend gegen 18:30 beleidigte ein psychisch kranker Man „...mehrere am Ufer liegende Frauen […], woraufhin ein 30-jähriger Zeuge einschritt. Der 36-Jährige zog daraufhin ein Messer und stach auf den Portugiesen ein. Der erlitt schwere Verletzungen und musste in einem Krankenhaus notoperiert werden. Der aus Kasachstan stammende Täter flüchtete am Ufer bis zum FKK-Bereich, dort konnte er von der Polizei festgenommen werden.“ (Quelle: Tagesspiegel vom 03.08.2013).

Manche werden werden vielleicht die Relevanz dieses Artikels in Frage stellen. Immerhin teilen die Medien aller Colour mit, der Sommer sei vorbei. Zum einen wissen wir nicht, was uns der goldene Oktober für Überraschungen parat hält. Zum anderen kommt die nächste Badesaison bestimmt und ich meine es ist gut wissen, wo der Badespaß gefährdert ist.  Na dann, gute Nacht Plötzensee!

Strandbad Plötzensee, copyright  "roem68"
Strandbad Plötzensee, copyright „roem68“

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  1. Na so eine Sauerei und ich habe das Strandbad in einigem meiner E-Books erwähnt.

    • Na dann Rebecca, dann schnell den Artikellink posten und allen mitteilen, wie kundenfeindlich, das Freibad Plötzensee betrieben wird. Ob das Bezirksamt
      Wedding über diese missliche Lage informiert ist?
      Ich kann den Wasserratten unter Euch eingehend ermutigen, Eure Erfahrungen im Netz zu veröffentlichen, Freunde
      und Bekannte darüber zu erzählen.

  2. Hi zusammen,

    ich war im Sommer auch in diesem besagtem Freibad, als ich bei einem Freund zu besuch war und musste leider feststellen auch die Ehrfahrung machen, das man dort nichts auf Kundenfreundlichkeit legt.

    Vielleicht sollte man das Anliegen wirklich einmal weiter tragen.

    Grüße

    • Hi, Alexander.

      Danke für dein Feedback. Je mehr dieser Bericht gelesen wird bzw. je mehr darüber gesprochen wird,
      desto wahrscheinlicher ist es, dass vielen diese herbe Erfahrung erspart bleibt.
      Ja, ein Anruf beim Bezirksamt Wedding könnte vielleicht ein Anfang sein.
      Die Servicequalität wird nicht aus dem Himmel fallen. Da ist der mündige Kunde gefragt.

      Beste Grüße

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