Home / Gesellschaft / Verleihung des deutschen Filmpreises – 5 Lolas für Berlin

Verleihung des deutschen Filmpreises – 5 Lolas für Berlin

Vergangenen Freitag, pünktlich zum Berufsverkehr sammelte sich eine ordentliche Menschenmenge um den Friedrichstadtpalast. Dort auf dem roten Teppich unterwarfen sich Film- und TV Stars geduldig den lauten Aufforderungen (Nach links gucken! Nach rechts!) hungriger Fotografen, bevor die 3-stündige Verleihungszeremonie mit Bildern der Hauptstadt aus der Vogelperspektive begann. Auf dem roten Teppich war zweifelsohne die Schauspielerin Marie Bäumer weit und breit die Entzückendste. Der Satz „Der Deutsche Film ist sexy“ war der Auftakt für Sänger Marius-Müller Westernhagen los zulegen, der die Show mit insgesamt 3 Songs rockte und seinen Ruf als der Deutsche Mick Jagger, erneut untermauerte.

Lola  - Deutscher Filmpreis
Lola – Deutscher Filmpreis

Unter den Laudatoren waren u.a. Comedy Star Annette Frier, die die frechste Anmoderation in der 10-jährigen Geschichte der Preisverleihung für sich verbuchen darf. Auf die stetige Kritik reagierend, dass die Verleihung eher eine Schnarchveranstaltung sei, fungierte sie als Publikumscoach, nicht ohne vorher klarzustellen: „Zum Lachen in diesem Lande, müssen wir erst mal unseren inneren Tom Tykwer überwinden“ und ergänzte mit köstlicher Ironie: „Spaß haben ist ein Stück weit auch Eigenverantwortung“. Dann aber sollte „Freude zeigen“ geübt werden, insbesondere wenn der Schauspielkollege anstatt einer selbst, den Preis nach Hause mit nimmt. Auch wenn abwesend, bekam der Rapper Bushido sein Fett weg: Einer ihm zum Verwechseln ähnlich in der ersten Reihe sitzend bekam zu hören: „Herr Bushido, Sie machen es gut mit dem Freude zeigen…“ eine gut eingelegten Pause und dann: „Ich würde mich nicht trauen was anderes zu sagen“ anspielend auf die angebliche Beziehung des Rappers zur Mafia. Für diese Pointe brauchte das Publikum jedoch länger um die gewagte Ironietiefe zu gänzlich zu begreiffen.

Frier „drohte“ den Preis für die beste Comedy vorzustellen. Sagte aber gleich…“Nee…gibt es nicht, ich weiß das hier ist der deutsche Filmpreis … und wer nüchtern gekommen ist, ist selber schuld … nüchtern sind schon die Filme …“ und ernte zögerliche Reaktionen des Publikums. Auch die oft medienscheue Schauspielerin Katja Riemann, die eine Laudatio für das beste Make-Up hielt, wollte sich eine Bemerkung zu ihrem vermasselten Interview beim Magazin „DAS! und das Kommentar des Moderators zu ihren bloden Locken“ nicht verkneifen: „Ich liebe die Make-Up Stylisten. Auch für die braunen Perücken, die sie manchmal auf meine blonden Locken setzen … „. Hier kam die Pointe sofort an. Das musste gesagt werden. Unter Kollegen und gleichzeitig im Rampenlicht hatte Frau Riemann einen sichtlich guten Tag. Später auf dem Empfang darauf angesprochen und gelobt, die Pointe mit den Locken sei doch super gewesen, reagierte sie mit dem üblichen Runzeln an der Stirn, als wäre sie gerade einen Außerirdischen begegnet.

Filme beim dt. Filmpreis
Filme beim dt. Filmpreis

Einen richtigen Augenschmaus in einer sehr abwechslungsreichen und gut strukturierten Show war das Ballettensemble des Friedrichstadtpalastes (weltbekannt für die längsten Beine der Welt), die tänzerisch untermauerten, wie sexy „Lola“ sein kann. Auch der enfant terrible des Deutschen Filmes, Jürgen Vogel, in diesem Jahr nicht nominiert, durfte die Laudatio für die Kategorie Schnitt an moderieren. Dafür schnappte er sich kurzfristig Backstage eine Tänzerin und coachte sie an der Aussprache, der in dieser Kategorie nominierten Filme, während voller gespielter Erotik das Gespräch ähnelt zwischen einer angehenden Schauspielerin und einem erfahrenen Regisseur mit gewissen Absichten nachgeahmt wurde.

Würde man wenig politisch korrekt vom „Verlierer des Abends“ sprechen, dann müsste von „Cloud Atlas“ die Rede sein. Mit Tom Hanks und Halle Berry in den Hauptrollen und Regie von Tom Tykwer ist er der teuerste deutsche Film aller Zeiten. Auch dann, wenn die Filmsprache Englisch ist. Mit insgesamt 9 Nominierungen in den Abend hinein gegangen, reichte es lediglich für 5 Lola-Trophäen in den Nebenkategorien:  Kamera/Bildgestaltung, Schnitt, Bestes Szenebild,  Beste Kostüme und Maske. Der ganz große Gewinner des Abends, und für viele überraschend war „Oh, Boy“. Die Akademie zeigte sich mutig, den Debütfilm des Regisseurs Jan Ole Gerster mit sage und schreibe 500.000 Euro samt Lola-Trophäen in den wichtigsten Kategorien auszuzeichnen.

Lola Gewinner - "Oh Boy"
Lola Gewinner – „Oh Boy“

Lola in Silber und damit die läppische Summe von 425.000,00 Euro ging an Margarethe von Trottas Verfilmung „Hanna Arendt“.  Auch Schauspielerin Bettina Zimmermann als Laudatorin in der Kategorie „Beste männliche Nebenrolle“, gab sich souverän und kein bisschen nervös, was man von der Präsidentin der Filmakademie, Iris Berben, bei ihrer Anfangsrede diesmal nicht behaupten kann. Für die beste männliche Hauptrolle wurde Michael Gwisdek (Oh, Boy) ausgezeichnet. Sein Sohn, Robert, war in der selben Kategorie nominiert. Das gab es noch nie in der Geschichte der Verleihung des deutschen Filmpreises. Seine Dankesrede bescherte das Publikum den absoluten Höhepunkt des Abends. Detailliert beschreibt er sein Spieldrang junge Schauspieler „… an die Wand zu spielen …“und wie er damit auf die Nase gefallen sei. Dank eines wichtigen Tipps seines Sohnes Robert und die Umsetzung bei „Oh, Boy“, sei es erst möglich gewesen, dass er auf der Bühne seine Lola abholen könne. Gwisdek, der im „Oh, Boy“ einen desillusionierter Nachtschwärmer authentisch darstellt, ist nicht leicht nachzuweisen, wann er spielt und wann nicht. Hauptsache ihm dabei zuzuschauen ist eine reine kinematographische Delikatesse. Einen Ehrenpreis bekam Regisseur Werner Herzog, dessen Kinematographie keine Einleitung benötigt. Unmissverständlich machte der Regisseur klar, dass er nicht gedenke in Rente zu gehen und „…dass mehrere Projekte am Laufen…“ seien und ernte dafür anhaltenden stehenden Applaus.

Während im Saal, wo die Prominenz auf den hammerharten Holzstühlen des Friedrichstadtpalastes ausharrte und versuchte die ganzen 3 Stunden bloß nicht im ungünstigen Augenblick von der Kamera eingefangen zu werden, ackerten die Journalisten in der engen Location des Quatsch-Comedy-Clubs bei Spargelgnocchis, Currywurst in roter Sauce, in der Größe überschaubare Frühlingsrollen und jede Menge Brezeln. Als Dessert wurden Berliner (Pfannkuchen) und Fruit Crumbles bereitgestellt. Die Fotografin/Filmemacherin Erika Radau, längst eine Berliner Persönlichkeit und Gewinnerin der Berlinale Kamera musste am Tresen der Akkreditierung auf das Bändchen für den anschließenden Empfang mehr als eine halbe Stunde warten. Anscheinend war der zuständigen Agentur nicht bekannt, um wenn es sich dabei handelt. Erst ein später dazugekommener Mitarbeiter begriff den Fehler auf Anhieb und korrigierte es umgehend. So wurde Frau Radau vom freundlichen und hilfsbereiten Sicherheitsmitarbeiter zu dem Empfang begleitet. Dort fand man den Saal überfüllt mit allerlei Prominenz. Hier wurde fürs leibliche Wohl gesorgt u.a. mit edlen Spezialitäten wie Lachs, Curry, Artischocken, Rinderfilets.

Erstmalig ist die Verleihung als überaus unterhaltsame Show geglückt: Eine gesunde Mischung zwischen Film, Tanz, Laudatio und Musik mit der glücklichen Auszeichnung von einem Werk, das wie kaum ein anderes, das den eigenartigen Zeitgeist der Stadt Berlin widerspiegelt. „Oh, Boy“ lässt an Wim Wender’s „Der Himmel über Berlin“ erinnern, die Nostalgie in der Bildsprache und ihre lethargische Dynamik. Zeigt aber vor allem eine Stadt, die Trotz fortschreitender Globalisierung es schafft, ihre eigene Identität zu bewahren.In seinem Buch „Pleased to meet you“ fragt der Musikkritiker Wolfgang Doebeling David Bowie über seine Erinnerungen während der Zeit in Berlin. Die Antwort darauf: „In Berlin habe ich weniger gelebt, mehr existiert“.  „Oh, Boy“ zeigt  mit köstlicher Ironie wie Berliner sich teils verändern und teils hartnäckig beanspruchen, ihre ganz persönliche Lebensentwürfe in dieser Stadt zu verwirklichen.

mehr Infos:
http://www.deutscher-filmpreis.de/

About Fatima Lacerda

ein paar Infos über mich

Check Also

Flughafen Tegel

Volksentscheid Flughafen Tegel – Gift für den Wohnungsmarkt?

Im Rahmen der vergangenen Bundestagswahl durften die Berliner zusätzlich über ein regionales Politikum abstimmen. Und …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*