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Einsteins Sommer-Idyll in Caputh – Ausstellung im Bürgerhaus

Eine willkommene Ergänzung zum Besuch vom Einsteins Sommerhaus ist die Dauerausstellung im Bürgerhaus im Ort. Hinter dem Schloß Caputh und  zugegebenermaßen ein wenig versteckt, ist der Ausstellungseingang nicht leicht zu finden. Man muss um das Bürgerhaus herum, dann aber verweist ein – auf dem Boden – gezeichneter Pfeil, unmissverständlich auf die 1. Etage. Dort ist die Ausstellung in den knappen drei Räumen vom Initiativkreis Albert-Einstein-Haus Caputh e.V. zusammengestellt. Mit sehr viel Liebe zum Detail. Frau Wiebke Franck, Vereinsgründungsmitglied, ist unsere Gastgeberin an einem Sonntag Nachmittag. Der freundlichen Begrüßung folgt das Erzählen über das Engagement der ehrenamtlichen Vereinsmitglieder. Wer übrigens die Vereinsarbeit unterstützen möchte, kann dies tun mit einem jährlichen Beitrag von 10 Euro. Das dazu nötige Formular gibt es auf der Webseite zum herunterladen.

Gleich zu Anfang erhielt ich diverse Infos in die Hand gedrückt, darunter eine Sonderausgabe der Heimatzeitung „Der Havelbote“ aus dem Einsteinjahr 2005, ein wichtiges Zeitdokument, dass viel darüber erzählt, was in Caputh los war und welche wissenschaftliche Prominenz zum Jubiläumsjahr vorbei schaute. „Das Schönste, was wir erleben können, ist das Geheimnisvolle“, so die Überschrift. Eine Chronik auf Seite 12 erzählt Carmen Hohlfeld, wie ihre Großmutter, die eine kleine Obst- und Landwirtschaft im Ort betrieb, regelmäßig Besuch von „Frau Professor“ am Gemüsestand hatte mit dem Zweck Spargel einzukaufen. Auch wenn deren Preise schon bekannt waren, fragte „Frau Professor“ jedes Mal erneut nach, um den Spargelhandel immer wieder aufs Neue zu betreiben, so die Großmutter von Carmen Hohlfeld. Diese „Spargelchronik“, so möchte ich sie nennen, gibt amüsanten Einblick, wie Einstein und „Frau Professor“, so wurde Elsa genannt, mit den üblichen Anwohnern des Orts in Verbindung standen.

Die thematische Fokussierung im Bürgerhaus ist im gleichen Maße auf Albert Einstein und Konrad Wachsmann, überwiegend auf ihren wissenschaftlichen und fachlichen Werdegang, gerichtet. Im Führungsverlauf wird klar, dass trotz der großen Altersunterschiede, der Lebenslauf der beiden Ähnlichkeiten aufweist, auch über die Notwendigkeit eines Lebens im Exil hinaus. Beide waren Arbeitstiere, ehrgeizig und wussten ihre Erfolge zu kommunizieren. Mit Stolz erzählt uns Frau Franck, dass Wachsmann 1979, also ein Jahr vor seinem Tod, noch in Caputh vorbei schaute.

Zu den interessanten Geschichten rund um Konrad Wachsmann gehört z.B. seine regelmäßigen Besuche ins „Romanische Café“. Dort, wo heute der – unspektakuläre – Bau des Europacenters in der WestCity steht, war ein Treffpunkt Intellektueller, zu denen, so Frau Franck, auch Architekten gehörten. Wachsmann, der aus einer jüdischen Familie in Frankfurt an der Oder stammt, behauptete, seine Ausbildung genau dort in dem Café gemacht zu haben. Wir würden dies heute als Networking bezeichnen. Wie wichtig das für den Beruf sein kann, bedarf keiner besonderen Erklärung. Zu den interessanten Geschichten um die Familie Einstein gehört die regelrechte Praxis von Einsteins Frau Elsa, von ihrem Ehemann Fotopostkarten signieren zu lassen und den Erlös für philanthropische Zwecke „…an meine armen jüdischen Studenten…“ zu spenden. Mehrere jüdische Einrichtungen wurden auf diese Weise von der Familie Einstein unterstützt.

Auch das Berliner Einstein Gymnasium trug zur Ausstellung bei. Eine Reihe von übergroßen Pappschränken zeigen übersichtlich die bewegten Lebenstationen des Physikgenies. Darüber hinaus, Video- und Hörstationen, eine Computersimulation zur Lichtgeschwindigkeit, Rechercheordner und ein Modell des Segelbootes sind einige der Tools mit dem Zweck, alle Altersgruppen anzusprechen und zu begeistern, so das Infoblatt.

Aufgepasst! Besucher, die der Sprache der Dichter und Denker nicht mächtig sind und nur eventuell nur Schulenglisch können, brauchen der Ausstellung deshalb nicht fern zu bleiben. Frau Franck verfügt über nennenswerte Kommunikationsfähigkeiten: Der Text wird langsam und deutlich gesprochen, dazu mit vielen lateinischen Wörtern beschmückt, um den ausländischen Einsteinfan das aktive Partizipieren zu ermöglichen. „Es soll kein Monolog werden“ sagt sie uns am Anfang. Auch der stets immer präsenter Blickkontakt mit den Besuchern macht aus dem sehr faktenreiche einstündigen Rundgang einen Dialog, ein Gespräch im Format einer Zweibahnstrasse – ganz im Einsteinischen Sinne.

Als besonders interessantes, lebendiges Dokument in der Ausstellung gilt das Gästebuch des Hauses Caputh, vorliegend in Kopieform. Ergänzend der insgesamt 7 Seiten, sind  zu den Einträgen die Biographien der Gäste nachzulesen. Damit wird unter anderen klar, welche tragischen Schicksäle, die Weggefährten von Einstein widerfahren haben. Wer sein Mosaik aus Einsteins Leben aufräumen oder vervollständigen möchte, sollte alle beide Möglichkeiten in Caputh miteinander verbinden. Schade nur, dass beide Einrichtungen nicht vernetzt sind, um noch mehr Besucher, nach Caputh zu locken.

Zwischen den beiden Ausstellungen empfiehlt es sich ein Päuschen einzulegen. Dazu gibt auf der anderen Straßenseite, den zum spazieren einladenden Schloßpark und das Café Roseneck, dessen Kuchen, so flüsterte mir ein Einheimischer,  soll nicht von dieser Welt sein. Na dann !

Weiterführender Link: sommeridyll-caputh.de

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One comment

  1. Danke für diesen inspirierenden Bericht. Da habe ich Lust, auch mal hinzufahren, auch wenn der Weg aus Süddeutschland noch so weit ist.

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