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Nachtzug nach Lissabon – Eine Liebeserklärung an Europa

Bei den Dauerschlagzeilen über Finanzkrise, Vertrauenskrise, Europakrise könnte glatt in Vergessenheit geraten,  dass das alte Kontinent über eine Reihe begnadeter Schauspieler verfügt. Einige von ihnen sind gemeinsam im „Nachtzug nach Lissabon“,  eine erstklassig besetzen Produktion vom Studio Hamburg in Kooperation mit der C Films AG aus Zürich.

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Die Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers von Pascal Mercier lief bereits außer Konkurrenz bei der kürzlich zu Ende gegangenen Berlinale.  Jeremy Zimmermann, zuständig fürs Casting, gelang es, Jeremy Irons, Christopher Lee, Charlotte Rampling, Bruno Ganz, Martina Gedeck, August Thiel und Jack Huston in einer Produktion zu vereinen. Eines Tages aufwachen und aufgrund unvorhersehbarer Begegnungen und einer Kette von Zufällen dem trostlosen Alttag  entkommen. Wer hat schon nicht einmal davon geträumt ? Raimund Gregorius,  gespielt von Jeremy Irons wagt es: Er spring auf einen fahrenden Zug nach Lissabon auf Spurensuche des Arztes und Dichters eines einzigen Buches, Amadeo de Almeida Prado. Die Location könnte nicht besser sein, um die Melancholie des Buches zu unterstreichen. Auch wenn mehrere Kritiker die Verfilmung der Buchvorlage nicht gerecht wird: Film ist eben eine andere Sprache.

Gleichwohl wenn die Aufnahmen der engen Gassen der portugiesischen Hauptstadt die Autorin diesen Textes bereits Pläne für den nächsten Urlaub schmieden ließen, so seien ganz wenige Ecken von Lissabon bildlich aufgegriffen worden, bemängelte ein dort ansässige Kollege. „Nachtzug nach Lissabon“ handelt von Freundschaft, Zukunftspläne, Verrat, gemeinsame Ziele und wie es ist, wenn sie (wenn überhaupt) nur über schmerzhaften Umwege sich realisieren lassen.  Die Note der unglücklichen Liebe dürfte natürlich nicht fehlen. Schließlich geschieht dies alles in Lissabon. Wer dort schon gewesen ist, weiß, dass die Melancholie, der grundlegende Bestandteil der portugiesischen Seele ist und im Fadomusik bestens zum Ausdruck kommt.

Die unterschiedlichsten Beziehungen finden auf dem Hintergrund der Salazar Diktatur Anfang der 70er Jahre statt. Jeremy Irons überzeugt und fesselt den Zuschauer als der in sich gekehrte Lehrer, von Dauereinsamkeit lädiert und gewohnt, bei unzähligen schlaflosen Nächten in seiner Berner Wohnung gegen sich selbst Schach zu spielen. Martina Gedeck spielt eine Augenärztin und die Nichte eines ehemaligen Widerstandskämpfers und hilft dem Lateinlehrer die Welt -buchstäblich- mit anderen Augen zu sehen. Wer Bella Martha (2001) gesehen hat, wird wissen, dass schon dort die europäische Karriere Gedecks begann. Seitdem ist sie in internationalen Produktionen mit einer zauberhaften Natürlichkeit.

Wer schon Robert de Niro und Matt Damon als Filmpartner hatte und mit ihnen am roten Teppich entlang laufen durfte, wird bei Jeremy Irons auch nicht schwach. Hochgelobt wurde die Schauspielerin von der internationalen Presse als überzeugende Lissabonerin, Auffassung, die ich nicht teile. Die Augenärztin Mariana gewinnt sofort die Sympathie der Zuschauer jedoch nicht anderes als bei Bella Martha. Der Heimvorteil von Gedeck ist die Natürlichkeit:  Die Location könnte in Sofia, Bukarest oder Paris sein. Für die Liebhaber von Filmen in der Originalversion gibt es einen Trost oder vielleicht sogar einen Anlass die deutschsynchronisierte Fassung zu sehen wegen der kleinen aber sehr feinen Rolle des Bruno Ganz als (älter Widerstandskämpfer) Jorge O’Kelly. Anstatt die englische Originalversion mit portugiesischem Akzent, beglückt uns Ganz mit seiner unverwechselbaren Stimme nicht zuletzt in Szene in der Kellerkneipe, wo er und Jeremy Irons sich genüsslich einen Schlagabtausch der schauspielerischen Kunst gegenseitig liefern. Auch Charlotte Rampling, als Amadeos‘ Schwester, Adriana, brilliert und schenkt ihren Landsmann Irons nix was die schauspielerischen Klasse anbelangt.

Als absolutes Highlight gilt die kleine Szene mit dem geheimnisvollen Vater Bartolomeo, gespielt von Christopher Lee. Das langsame Öffnen des Kirchentores für einen kleinen Plausch mit Gregorius, erfüllt die Leinwand mit einer kaum auszuhaltenden Spannung über das, was kommt. Der Zuschauer hängt an Vater Bartolomeos Lippen. „Nachtzug nach Lissabon“ ist ein ergreifender Film, der uns dazu anstiftet, unserer aller Reise mutiger und außergewöhnlicher zu gestalten. Dazu noch eine Liebeserklärung an die Stadt Lissabon und – nicht zuletzt – an die europäische Filmkunst. Nicht nur für die Europaskeptiker ist dieses Werk in Muss!

Ab 07. März ist „Nachtzug nach Lissabon“ in den deutschen Kino zu sehen.

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