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Eine Weltreise mitten in Berlin – ein ITB Streifzug

Eins ist sicher: Auch bei Fachbesuchern herrschte auf der ITB großer Reisehunger. Sobald sich TänzerInnen in prachtvollen Kostümen bemerkbar machten, kamen Handys aller Fabrikate und Generationen zum Dauereinsatz. Lächelnde Gesichter staunten herum und nebenbei wurden die Reisegeschäfte weiter abgewickelt. Während am Stand vom afrikanischen Kenia ein leckerer heimischer Tee serviert wurde, liefen drumherum gleichermaßen übergangslos und hektisch die Dauermeetings. An meinem Tisch saß den Vertreter der skandinavischen Tourismusverbände. David, halber Kenianer und halber Schwede, fragt unvermittelt wer ich bin, was ich mache und rät mich zu einer eine Pressereise nach Kenia. Bevor ich den Vorschlag überhaupt verdauen kann, verabschiedet er sich zum Treffen mit dem Boss, Jacinta, ließ er noch durchsickern.

ITB 2013 - fröhliche brasilianische Gesichter
ITB 2013 – fröhliche brasilianische Gesichter

Da ich aufgrund meiner Herkunft gefangen und beruflich verwickelt bin, war der erste Pavillon, Lateinamerika, wo ich den Löwenanteil meines ITB-Aufenthaltes verbrachte. Der Brasilien-Pavillon brachte nach Berlin viele Touristensekretäre aus hohen Ämtern, die sich gleichermaßen gerne sehen und bewundern ließen. Kein Interview konnte ohne ein ausgiebiges Briefing stattfinden. Die bevorstehende Fußballweltmeisterschaft 2014 im Land kontinentaler Größe ist in aller Munde. Es besteht großes Interesse an die bevorstehenden Großsportevents wie der Confederations Cup im kommenden Juni und die WM 2014. Kulinarisch wurde dieses Jahr nicht viel geboten außer Tapioca, eine Spezialität aus dem nordöstlichen Recife, die in seiner ursprünglichen Form eine geschmacksneutrale Stärke, welche aus gerösteten Maniokwurzeln (Kassava) gewonnen wird. Bia, eine sympathische alte Dame, zum ersten Mal im Ausland und schon mehrfach für den brasilianischen Tourismusverband als Vorzeigeköchin eingespannt hatte nur lobende Worte für ihr Werk. Dessen Genuss stiftete sie dann mit dem Aufruf auf die immer länger werdende Schlange: „Esst die Tapioca von Bia!“ Im Gegensatz zu den vorherigen Jahren ging Brasilien, auf der ITB, bescheiden mit den Empfängen um. Der einzige, am 05.03.2013  kollidierte ausgerechnet mit der offiziellen Eröffnung der ITB im ICC. Das hatte zur Folge, dass die wichtigsten Journalisten bei dem Empfang „Goal to Brazil“ im schicken AXA Kongress in der Nummer 3 vom Pariser Platz fern blieben. Es wäre wichtig gewesen, die Presse gegenüber den infrastrukturellen Stand bzgl. der Austragungsorte für die nächste Fußball-Weltmeisterschaft zu informieren. Zu Gesprächen blieb schließlich nur noch die hektische Atmosphäre im und rund um den Pavillon.

ITB 2013 - Partnerland Indonesien
ITB 2013 – Partnerland Indonesien

Der argentinische Pavillon, umrundet von weißen Ledersofas, lud zu gemütlichen Gesprächen ein aber der beste Stand in der Halle Lateinamerika war sicherlich Chile. Mit kommunikativen Standmitarbeitern und hohen Tieren des Touristenministeriums, die sich nicht zu schade sind, dem einfachen Volk zu widmen, mit einem gewagten und regelmäßigen Angebot an Künstlerperformance, Weinproben und frisch gemachten Pisco, das alkoholische Nationalgetränk, war man von Herzlichkeit umgeben. Auch das peruanische Land bot erstklassiges Kulinarisches durch den sympathischen Chefkoch -und in Berlin ansässigen- Enrique Servan. Der Pavillon von Bolivien zeigte sich zu oft verlassen. Die Abenteuer hungrigen konnten sich im Pavillon von Kolumbien anhand einer Computersimulation richtig austoben…

Für den musikalischen Kracher, auch im Sinne von Lautstärke, sorgte Ecuador, welches seine Musiker zu wirkungsvollen Rundgängen durch den ganzen Pavillon schickte. Ecuador liebt das Leben, so das Motto in dem vom einem Rosenmeer dekorierten Pavillon. Paraguay bot – mit höchster Wahrscheinlichkeit – den besten Mangosaft der Stadt. Dazu noch jede Menge Gesprächspartner für einen Plausch über das kleine südamerikanische Land. Dass einige Mitarbeiter am Stand von Paraguay waschechte Brasilianer waren, konnte man nur auf den zweiten Blick entecken. Was soll’s? Sind wir nicht alle Weltbürger? Ex-Leverkusener Manager Rainer Calmund kam schnell vorbei zu einem Pressetermin und musste von einer Presseagentin regelrecht überredet werden, sich von dem gigantischen Fußball vor dem Pavillon Brasiliens fotografieren zu lassen. Während der Fotograf unter großem Druck das Beste von 5 Sekunden herauszuholen versuchte, wiederholte Calli ununterbrochen: „Ich muss weg, ich muss weg….“.

Auf der ITB lassen sich bewusst Exotisches und Klischeehaftes gezielt einsetzen, aber auch eine Menge wunderbare Eigenschaften der uns fremden Kulturen konnte man dort hautnah erleben. Sicherlich ist es weniger anstrengend eine kurze Begegnung mit dem Exotischen (da man nachher durch die Berliner U-Bahn schön nach Hause chauffiert wird) als sich tatsächlich auf die Socken zu machen und diese Länder und ihre Menschen  kennenzulernen. Die ITB bietet keinen Ersatz für werdende Weltbürger, aber sie ist immer ein wunderbare Anlass sofort damit zu beginnen. Auch wenn in allen Pavillons Menschen gleichermaßen auf ihre Handys und Tabletts sorgenvoll schauen, hektisch telefonierten, das Exotische, das uns Fremde gibt es noch immer und (auch wenn ich den regierenden Bürgermeister zitieren muss) das ist gut so! Das benachbarte Polen warb mit Wellnessurlaub und sorge damit für irritierende Gesichter im Stand. Die Verbindung zwischen Polen und Wellness muss noch in das Bewusstsein der Verbraucher eingeprägt werden.

Auch Visit Berlin, die offizielle Tourismus Agentur der Hauptstadt, ein Lokalmatador also, zeigte sich zeitgemäß mit der verstärkten Fokussierung auf den Segment des Gaytourismus (Lesben und Schwule). Mehrere Rekorde hat die diesjährige ITB zu verzeichnen. Erstmalig konnten die Besucher direkt auf der Messe, Reisen buchen. Am Wochenende überboten sich die Fluggesellschaften und Reiseveranstaltern mit Schnäppchenangeboten und beglückten die fernsüchtigen Berliner.

Bilder copyright: Presse ITB

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