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Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas

Ein Besuch des Denkmals mit den vielen Stelen zum Gedenken an die jüdischen Opfer des 2. Weltkriegs nahe des Brandenburger Tors ist fast schon Pflichtprogramm für jeden Berlin-Besucher. Gar nicht weit entfernt gibt es noch ein Denkmal für eine weitere Gruppe Verfolgter: Das Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma.

Mit dem Brandenburger Tor im Rücken findet man es, indem man schräg rechts über den Platz des 18. März durch die Bäume des Tiergartens hindurch Richtung Reichstag geht. Entworfen wurde das Mahnmal von dem israelischen Bildhauer Dani Karavan.

Abgeschirmt durch undurchsichtige Glaswände tritt man durch eine Art Tor ein. Ein 12m großes kreisrundes Wasserbecken sieht man dort mit schwarzem Grund, darum herum großformatige Steine, auf einzelnen davon die Namen der Ort, an denen Sinti und Roma umkamen – Sachsenhaus, Ausschwitz, aber auch Berlin-Marzahn.

Frisch gefallener Schnee bedeckt einen zum Gedenken abgelegten Blumenstrauß. Auch inmitten des Brunnens mit seiner dünnen Eisschicht liegt auf einer dreieckigen Stele eine frische Blume. Jeden Tag wird die Stele abgesenkt und erscheint mit einer neuen Blume. Die dreieckige Form der Stele soll an das Abzeichen erinnern, dass Sinti und Roma an ihrer Kleidung tragen mussten.

Am Rande des Brunnens eingraviert ist auf Deutsch und Englisch das Gedicht „Auschwitz“ des italienischen Roma Santino Spinelli: „Eingefallenes Gesicht / erloschene Augen / kalte Lippen / Stille / ein zerrissenes Herz / ohne Atem / ohne Worte / keine Tränen“. Auf Tafeln an den Glaswänden ist die Chronologie der Ausgrenzung und des Völkermords an den Sinti und Roma aufgezeichnet. Hier lässt sich auch noch mal Spinellis Gedicht lesen.

An die 500.000 Sinti und Roma wurden durch die Nazis ermordet – oft wird in diesem Zuge von dem „vergessenen Holocaust“ gesprochen. Es gibt wohl keine einzige Familie, die nicht einen Angehörigen verloren hat. Bis dieser Ort der Erinnerung im Oktober 2012 eingeweiht wurde, ist jedoch viel Zeit vergangen. Schon 1992 beschloss die Bundesregierung den Bau eines Denkmals, 2001 wurde der Ort des Mahnmals festgelegt. Streit gab es jedoch lange Zeit über den Text auf den Gedenktafeln – die konkrete Bezeichnung der Opfer(-gruppen) zwischen den verschiedenen Verbänden der Sinti und Roma und der Anerkennung des Verbrechens als „Völkermord“ – wie auch bei Details der Bauausführung des Mahnmals an sich.

Auch heute noch sind die 12 Mio. Sinti und Roma in Europa vielfach täglicher Diskriminierung ausgesetzt. Wann lernen wir bloß, dass wir letztendlich alle eins sind – Menschen mit der gleichen Würde und den gleichen Rechten?

About sunnykat

War 4 Jahre lang "Berliner" - im Moment hat es mich ins Rheinland verschlagen. Aber mein Herz geht immer noch auf, wenn ich nach Berlin komme! :-)

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