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Ein Bahnhof, der kein Bahnhof (mehr) ist – der Hamburger Bahnhof in Berlin

Der Hamburger Bahnhof ist ein pompöser Bau. Die weithin sichtbare zweifarbige Lichtinstallation taucht nachts die Fassade in kräftiges blaues und die Rundbogen-Fenster in grünes Licht und zeigt so allen Vorbeifahrenden oder -gehenden auf der Invalidenstr. – Achtung! Hier ist etwas Besonderes!

Im Inneren des prächtigen ehemaligen Empfangsgebäudes befindet sich seit 1996 das Museum für Gegenwart Berlin als Ableger der Nationalgalerie. Es zählt weltweit zu den größten und wichtigsten Museen für zeitgenössische Kunst und zieht jährlich mehr als 250.000 Besucher an. Auf der Ausstellungsfläche wird Kunst von den 1960er Jahren bis in die Gegenwart gezeigt – Malerei, Skulpturen, Fotografie  und Video- und Filmarbeiten.

Neben den wechselnden Sonderausstellungen, die im östlichen Flügel, in der großen Haupthalle sowie weiteren Galeriehallen gezeigt werden, sind dauerhaft auch Werke der Nationalgalerie, der Sammlung Marzona (konzeptuellen Kunst der Jahre 1965 – 1978) und der Berliner Privatsammlung Erich Marx zu sehen. Hierzu gehören Exponate von Künstlern wie Andy Warhol (u.a. der berühmte große „Mao“), Robert Rauschenberg, Anselm Kiefer, Roy Lichtenstein und  Joseph Beuys. Dessen Werke sind  im westlichen Flügel des Hamburger Bahnhofs unter gebracht. Die Friedrich Christian Flick Collection umfasst rund 1.500 Werke von ca. 150 Künstlern befindet sich als Dauerleihgabe des Kunstsammlers seit September 2004 bis zunächst 2021 in den angrenzenden Rieckhallen. 2008 hat er 166 Werke dem Museum als Schenkung überreicht, die größte Schenkung einer Einzelperson seit Gründung der Nationalgalerie im 19. Jahrhundert.

Wie der Name schon sagt, war der Hamburger Bahnhof tatsächlich mal ein Bahnhof. Er wurde 1847 als Kopfbahnhof für die Strecke Hamburg – Berlin erbaut – daher auch sein Name. Zwei hohe Rundbogentore wurden als Durchfahrten für die Lokomotiven genutzt, die auf einer Drehscheibe vor dem Gebäude umgesetzt wurden. Schon 1884 wurde er jedoch wieder still gelegt, da er zu klein wurde und 1906 zum Königliche Bau- und Verkehrsmuseum umgebaut. Das Museum wurde zum Publikumsmagneten, ab 1909-1916 wurden daher die zweigeschossigen linken und rechten Flügel zur Straße hin angebaut, wodurch der heutige Ehrenhof entstand. Der Berliner Bahnhof in Hamburg  – das Gegenstück am anderen Ende der Strecke – war übrigens von 1857-1903 in Betrieb.

Der Hamburger Bahnhof ist der letzte erhaltene Berliner Bahnhof der ersten Generation und einer der ältesten Bahnhofsgebäude Deutschlands. Schwer beschädigt durch den Zweiten Weltkrieg wurde das Gelände anschließend von der Ostberliner Reichsbahn verwaltet, jedoch für die Öffentlichkeit gesperrt und nicht weiter genutzt. Engagierte Reichsbahnern ist es zu verdanken, dass Bauwerk und Exponate so gut es ging erhalten blieben.

1987 wurde das Gelände schließlich von der Stadt Berlin an die Stiftung Preußischer Kulturbesitz übertragen. Die Ausstellungsstücke des Verkehrs- und Baumuseums wurden im Vorfeld an das Verkehrsmuseum Dresden und das Deutsche Technikmuseum Berlin übergeben und sind dort teilweise zu besichtigen. 1990-1996 erfolgte der Umbau und der 80m lange Erweiterungsbau nach Plänen von Josef Paul Kleihues für das Museum für Gegenwart. Im Jahr 2004 wurde das Museum um weitere 6.000 qm auf insgesamt 13.000 qm Ausstellungsfläche erweitert: Der hinter dem Haupthaus liegende Lehrter Güterbahnhof wurde zu den sog. Rieckhallen umgebaut.

Zu den aktuellen Ausstellungen führt dieser Link.

About sunnykat

War 4 Jahre lang "Berliner" - im Moment hat es mich ins Rheinland verschlagen. Aber mein Herz geht immer noch auf, wenn ich nach Berlin komme! :-)

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