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Ein Streifzug in den Müggelbergen

Mein letzter Spaziergang in den Müggelbergen ist zwar schon etwas her, aber gefallen hat er mir sehr 🙂   Deswegen hier ein kleiner Tip für Neuberliner oder Berlin-Urlauber, die sich zwischendurch mal ein bisschen Ruhe im größten zusammenhängenden Waldgebiet Berlins gönnen wollen.

Der Große Müggelberg – der höchste Berg Berlins

Die Müggelberge liegen im Südosten Berlins im Bezirk Treptow-Köpenick und umfassen eine Fläche von rund sieben Quadratkilometern. Hier gibt es den Kleinen Müggelberg (88m) und den Großen Müggelberg (114,7m) – mit seiner Höhe immerhin die größte natürliche Erhöhung in Berlin. Ich glaube, die Bayern würden darüber nur schmunzeln 😉 An den nördlichen Ausläufern der Müggelberge liegt der Köpenicker Teufelssee und keinen Kilometer entfernt das Ufer des Großen Müggelsees. Im Süden enden die Hänge der Müggelberge am Ufer des Langen Sees.

Auf dem Kleinen Müggelberg steht der 30 m hohe und begehbare Müggelturm. Er ist nicht gerade ein Schmuckstück, aber von diesem Aussichtsturm habt ihr bei klarem Wetter nach 126 Stufen einen tollen Rundblick. Der Turm ist an dieser Stelle übrigens schon der dritte. Der erste Turm hieß Spindlerturm nach Carl Spindler, Eigentümer der Cöpenicker Wäscherei und Färberei, und wurde 1880 errichtet. Aufgrund seiner geringen Höhe von lediglich 10m hatte man von diesem hölzernen Aussichtsturm noch keinen schönen Fernblick. Carl Spindler ließ den Turm deshalb im chinesischen Pagodenstil erweitern und 1890 wurde der nun 27m hohe Holzaussichtsturm eröffnet. Das im Turm befindliche Restaurant und die Aussichtsplattform mit einem Fernblick von bis zu 50 km wurde schnell zu einem Besuchermagneten. Im Jahr 1945, als sich die sowjetische Armee Berlin näherte, wurde der Turm zum militärischen Objekt erklärt und diente als Funkturm und Beobachtungsposten. Als die sowjetische Armee immer näher kam, sollte der Turm gesprengt werden. Der Turm-Gastwirt verhinderte jedoch die Sprengung, indem er die Leitungsdrähte der Sprengladung zerschnitt. Nach dem Krieg wurde die Gaststätte wieder aufgebaut. 1957 wurde der hölzerne Turm wegen Baufälligkeit gesperrt und brannte 1958 durch ein Feuer vollständig ab, das vermutlich durch Schweißarbeiten während der Renovierung ausgelöst wurde. Der Aufbau des neuen Turmes wurde durch das Engagement und die Spendenbereitschaft der Bevölkerung (130.000 Mark Spende und 3.700 freiwillige Arbeitsstunden) erheblich unterstützt. Die Eröffnung des neuen Turmes fand nach 26 Monaten Bauzeit in der Silvesternacht 1961 statt. Seit 1995 steht der Gebäudekomplex unter Denkmalschutz.

Müggelturm im Pagodenstil um 1900
Müggelturm heute

 

 

 

 

 

 

 

 

Weiter östlich davon, auf dem Großen Müggelberg, befinden sich ein 64m hoher Sendemast und der 31m hohe Turmstumpf des unvollendeten Fernsehturms Müggelberge. Er sollte ursprünglich der Fernsehturm von Berlin werden mit einer  Höhe von 130 m und einer Aussichtsplattform auf 70 m. Als mit dem Bau 1954 begonnen wurde, wurde jedoch übersehen, dass der Turm eine Gefahr für die anfliegenden Flugzeuge des Flughafen Berlin-Schönefelds sein würde. Daher wurde der Bau im Dezember 1955 eingestellt. Der Turmstumpf wurde später von der Stasi als Abhöranlage genutzt. Heute dient er der Telekom als Richtfunkmast und trägt eine Radarkuppel auf seiner Spitze.

Bismarckwarte – Ansicht um 1905

Früher stand auf dem Großen Müggelberg ab 1904 die 40 Meter hohe Bismarckwarte, im Fuß des Turms befand sich eine Gedächtnishalle. Der Turm konnte von Besuchern bis zu einer Aussichtsplattform in 29m Höhe bestiegen werden. Auf der Spitze des Turms war eine Feuerschale angebracht, dort konnte eine bis zu 18 Meter hohe Flamme erzeugt werden. Während der gesamten Olympischen Sommerspiele 1936 brannte in der Feuerschale ein von Berliner Schülern in die Müggelberge gebrachtes Feuer. Im April 1945 wurde die Bismarckwarte kurz vor Ende des 2. Weltkriegs von deutschen Truppen gesprengt, um der anrückenden sowjetischen Armee keinen weithin sichtbaren Punkt zur Orientierung beim Marsch auf Berlin zu geben.

Die Kanonenberge sind ein nordwestlicher Ausläufer der Müggelberge. Zunächst wurde hier ab 1884 Sand abgebaut. Später führte die preußische Armee in der etwa 250 m langen und knapp 80 m breiten Sandgrube Schießübungen mit neuen Kanonen durch. Seitdem wird dieser Bereich der Müggelberge „Kanonenberge“ genannt. Das zwischenzeitlich renaturierte 200 qm große Aussichtsplatteau in den Kanonenbergen mit befestigten Wanderwegen und Bänken wurde 2006 wieder freigelegt.

Früher gab es sogar eine „Todesbahn“ in den Müggelbergen –  eine künstlich angelegte Rodelbahn. Sie führte vom Grat zwischen Großem und Kleinem Müggelberg bis zum Fuße des Teufelssees. Die Bahn wurde 1992 geschlossen. Heute ist der Bereich offizielles Fahrgelände eines Köpenicker Mountainbike Downhill-Vereins mit Sprungschanzen und allem drum und dran. Am Fuße der ehemaligen Rodelbahn führt ein Weg am östlichen Rand eines Sumpfgebietes entlang zum Lehrkabinett, wo Spaziergänger viel Wissenswerte über den Wald und seine Bewohner erfahren können. Hier noch ein paar Bilder am Fuße der Müggelberge.

 

About sunnykat

War 4 Jahre lang "Berliner" - im Moment hat es mich ins Rheinland verschlagen. Aber mein Herz geht immer noch auf, wenn ich nach Berlin komme! :-)

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