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Der „Alte Deutsche Film“ in den Eva-Lichtspielen

Die Eva-Lichtspiele in Wilmersdorf sind die Antithese zum Programmkino mit Ranzcharme oder dem Multiplex mit eingebautem Popcorngeruchsgenerator. Hier stehen kleine Marmortische im Foyer, an denen man den Kuchen (um präzise zu sein, Kuchen ward versprochen, aufgetischt wurden Kekse und Colaflaschen aus Gummizucker) zum Film verspeist. Im Saal erleichtert einem das durchgehende Brettchen vor der Nase das Ablegen von Schirm, Charme und Brillenetui.

Eva Lichtspiele in Berlin-Steglitz
Eva Lichtspiele in Berlin-Steglitz

Wenn ich einmal erwachsen und dem Berufsleben erfolgreich entkommen bin, dann wird das Eva mein Lieblingskino. Bis dahin geh ich in die Filmreihe „Der Alte Deutsche Film“ (Mittwochs, 15.45, mit Kuchen im Vorfeld, aber zeitig kommen, sonst ist er weg), wo ich den Altersdurchschnitt erfolgreich drücke.Das Publikum ist in der Regel graumeliert, rotgetönt oder auch mit Tuchturban, aber auf jeden Fall Stammgäste. Einige von ihnen haben wahrscheinlich Gerd Fröbe weiland noch die Tür zum Cafe Kranzler aufgehalten, wofür ich sie beneide, denn das derzeitige Kranzler ist der verhackstückte Alptraum einer Kirsche auf der architektonischen Investitorentorte. Aber das ist eine andere Geschichte.

Im Eva herrscht cinematischer Grundzustand. Der Lichtspielhausdirektor gibt eine Einführung in den Film, die allesamt von echten Zelluloidkopien gespielt werden. Und das manchmal erst 25 Jahre nach deren letzter Aufführung. Mittwochs werden eher unbekannte Filme aus der Vorkriegszeit gespielt, ab Ende des Jahres kommt Montags eine Reihe mit Nachkriegsfilmen dazu (darunter ein Film names „Pikanterie“, was auch nur in den 50ern als heißer Titel durch ging). Der gesehene Film, „Hirsekorn greift ein“, zeichnete sich durch eine furchtbar leptosomen Haupdarstellerin, den regelmäßigen Ausbruch aller Figuren in Gesänge, und etwas unglückliche Überblendungen aus. Mein Hauptinteresse galt zwar dem Berliner Schauplatz, der aber bis auf paar Hauseingänge und einen fernen Fabrikschlot kaum auf der Leinwand auftauchte. Daher habe ich mir selbige einmal gründlicher angeschaut und einen kleinen Glücksschauer empfunden, weil immer noch sein altes Kino irgendwo mit seiner 50er Leuchtschrift bis in 21. Jahrhundert durch gerutscht ist.

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